Sport : Der angegriffene Manager

Bei der ersten Niederlage von Herthas Trainer Heine gerät Hoeneß in die Kritik

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Der Fernsehreporter wurde stehen gelassen. Die Frage des RBB-Reporters hatte Dieter Hoeneß missfallen. Was er zu den im Fanblock gezeigten „Hoeneß raus“-Schals sage, wollte der Journalist wissen. „Auf dieses Thema will ich heute nicht eingehen, ich bin enttäuscht über die Niederlage“, sagte Herthas Manager Hoeneß. Dann ging er.

Die Szene ereignete sich am Samstag. Zuvor hatten sich Herthas Manager Dieter Hoeneß und die 64 382 Zuschauer im Olympiastadion ein schwaches Spiel anschauen müssen, das Hertha 0:1 gegen Borussia Dortmund verlor. Mitte der zweiten Halbzeit, die Berliner lagen bereits zurück, stimmten Zuschauer in der Fankurve immer wieder Schmähgesänge gegen Manager Hoeneß an. „Natürlich tun die Pfiffe uns als Hertha BSC weh“, sagt Werner Gegenbauer, der Vorsitzende des Aufsichtsrates.

Neu sind die Proteste von Teilen der Fans nicht. Im vergangenen Jahr war der Druck wahrscheinlich noch höher. Hertha blieb damals 13 Spiele in Folge ohne Sieg. In dieser Zeit aber verteilte sich der Unmut auf Dieter Hoeneß und Trainer Falko Götz, die den negativen Trend damals noch stoppen konnten. Eine ähnliche Misserfolgsserie wurde Götz in dieser Saison zum Verhängnis, seit zwei Wochen ist er nicht mehr Trainer. Jetzt steht Hoeneß allein im Fokus. Nach der Entlassung von Götz gefragt, ob auch seine Position diskutiert wurde, antwortete Hoeneß: „Nein“.

Der neue Chefcoach Karsten Heine, der ehemalige Trainer der zweiten Mannschaft, kann noch nicht für den Misserfolg verantwortlich gemacht werden. Heine sitzt erst seit zwei Wochen auf der Trainerbank. Für ihn besteht im Erfolgsfall eine Chance auf Weiterbeschäftigung bei der Profimannschaft, verlieren kann er dagegen nicht viel. „Wenn das nicht klappt, dann würde ich gern wieder zurückgehen in meinen alten Bereich“, sagte Heine schon bei seinem Amtsantritt.

In den Führungsgremien des Vereins steht Hoeneß nicht zur Diskussion. Alle wichtigen Entscheidungen trifft nach wie vor er. Der Aufsichtsrat hat im Sommer 2005 den Vertrag des Vorsitzenden der Geschäftsführung bis 2010 verlängert – bereits ein Jahr vor Ablauf des alten Vertrages. Michael Preetz ist als Herthas Rekord-Torschütze neben Hoeneß die einzige Person in der Klubspitze, die einer breiteren Fußball-Öffentlichkeit bekannt ist. Preetz ist Leiter der Lizenzspielerabteilung, nach außen ist er bislang aber kaum in Erscheinung getreten.

Eine Umverteilung der Kompetenzen im Verein wird auf dem Treffen des Beteiligungsausschusses heute kein Thema sein, auch die Schmährufe gegen Hoeneß stehen nicht auf der Tagesordnung. „Mit harter und erfolgreicher Arbeit werden wir das wieder wegkriegen“, sagt Gegenbauer. Hoeneß war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Am Wochenende spielt Hertha BSC bei Alemannia Aachen. Die Mannschaft hat dort eine weitere Möglichkeit, das Thema Abstiegskampf endgültig zu beenden. In Aachen müsse seine Mannschaft punkten, „damit wir gegen die kommenden Gegner nicht mit dem Rücken zur Wand stehen“, sagt Heine. Hertha hat fünf Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Doch Heine warnt: „Wir sind weiterhin im Abstiegskampf.“

Der Hergang der Niederlage gegen Dortmund war alarmierend. Gegen die völlig verunsicherte Borussia konnten sich die Berliner in der ersten Halbzeit nur zwei Chancen erspielen. In der zweiten Halbzeit wurde der BVB stärker – und siegte am Ende sogar verdient. Verteidiger Dick van Burik sprach von einer „Charakterfrage“ – und meinte damit die Mannschaft.

Es ist schwierig, die schwachen Leistungen der Berliner auf einen Mannschaftsteil zurückzuführen. Der Spielaufbau ist laut Heine „zu langsam“ gewesen. Aus dem Mittelfeld entstanden keine Ideen, der Sturm blieb unauffällig. Den in der Formkrise steckenden Marko Pantelic wechselte Heine aus. Allein verantwortlich wollte der Trainer ihn aber nicht machen. Die Mannschaftsleistung war insgesamt ungenügend.

Am Sonntag sagte van Burik: „Es ist mir zu einfach, alles am Manager festzuhängen.“ Dieter Hoeneß hat bislang jede noch so lange Schwächephase seiner Mannschaft ausgestanden.

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