Sport : Der auf den Fuß hört

Demond Greene gibt bald sein Comeback bei Alba

Helen Ruwald

Berlin - Täglich hält Demond Greene Zwiesprache mit seinem rechten Fuß. Der ist ein sehr sensibler Partner, mal antwortet er mit einem leichten Ziehen, mal wird er steif. Er agiert, Demond Greene reagiert und schraubt sein Pensum wieder ein bisschen zurück. Alles in allem haben sich die beiden allerdings in den vergangenen viereinhalb Monaten prächtig arrangiert. Am Mittwochabend hat der Basketballprofi von Alba Berlin erstmals das gesamte Mannschaftstraining absolviert, etwas eher sogar, als von den Ärzten prognostiziert. „Es wird noch eineinhalb Wochen dauern, bis ich auf einem konstant hohen Level bin“, sagt der deutsche Nationalspieler, der sich Anfang Dezember 2006 schwer verletzt hatte. Morgen im Bundesligaspiel gegen die Skyliners Frankfurt (17 Uhr, Max-Schmeling-Halle) käme sein Einsatz zu früh. Spätestens in den Play-offs, die am 20. Mai beginnen, soll er wieder für Alba auflaufen.

Im Uleb-Cup-Spiel gegen Siena war der 27-Jährige nach einem DunkingVersuch unglücklich gelandet und hatte sich den Fuß so verdreht, dass das Sprunggelenk neben dem gebrochenen Wadenbein stand. Schon im Krankenwagen fand Greene seinen Humor wieder, als er sein Bein mit dem Handy fotografierte. Ärzte stellten einen Sprunggelenkverrenkungsbruch fest, zudem waren Syndesmose- und Deltaband im Sprunggelenk gerissen.

Mitspieler und Fans waren vom Anblick der Verletzung geschockt gewesen, doch nach der Operation verlief die Entwicklung optimal. Greene sagt: „Jede Woche waren Fortschritte zu sehen, die Reha hat Spaß gemacht.“ Kommentarlos nimmt sein Fuß das Aufbautraining allerdings nicht hin. Nach jeder neuen Bewegung – dem ersten Schritt, dem ersten Sprung, dem ersten Sprint, der ersten Seitwärtsbewegung – meldet er sich und protestiert eineinhalb Tage leise. „Das nervt mich, aber die Ärzte sagen, es ist normal“, sagt Greene. Wichtig sei es, nicht nur das Bein, sondern auch den Kopf zu trainieren. „Eine kleine Blockade merke ich schon noch“, sagt er. „Sie hindert mich nicht, zum Korb zu gehen, aber ich überlege, ist da jetzt ein Fuß im Weg oder nicht.“ Im Spiel eins gegen eins mit Philip Zwiener, der gerade seinen Fingerbruch überwunden hat, konnte Greene zumindest „einige Sachen abschalten“.

Zwiener ist zurück, dafür wurden gestern Kirk Penney und Nenad Canak an der Leiste operiert und fallen vier beziehungsweise sechs Wochen aus. Da sich William Avery seit Wochen verletzt durchbeißt, könnte Alba einen Mann wie Demond Greene derzeit gut gebrauchen. Doch dieser will nichts überstürzen. „Ich darf mich nicht unter Druck setzen und werde auch nicht unter Druck gesetzt. Bei meiner körperbetonten Spielweise muss ich hundertprozentig fit sein.“

Wie schwierig es sein kann, nach langer Verletzungspause zurück zu kommen, konnte Greene unlängst bei Jovo Stanojevic sehen. Alba Berlins langjähriger Center kehrte dem Klub frustiert den Rücken, als er nach einem Kreuzbandriss weniger Spielzeit bekam, als ihm seiner Ansicht nach zustand. Greene sieht sich allerdings gegenüber Stanojevic im Vorteil. Seine eigenen Stärken seien vielseitiger, findet Demond Greene, der mit guten Würfen ebenso glänzen kann wie in der Verteidigung oder beim Spielaufbau. Nachdenken muss er über den richtigen Zeitpunkt für sein Comeback ohnehin nicht. Er muss nur gut zuhören. Sein rechter Fuß wird es ihm schon sagen.

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