Sport : Der Australier verlässt die Ethik-Kommission des IOC

Die Affäre um den Vizepräsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Kevan Gosper, wird für die Ethik-Kommission zur großen Prüfung. Unmittelbar vor der Anhörung Gospers durch das vor einem Jahr geschaffene Kontrollorgan des IOC trat der 66-Jährige aus dem Gremium zurück. "Es ist wichtig, dass die Integrität der Kommission nicht durch einen Verdacht oder eine Unterstellung kompromittiert wird", sagte Gosper. Als einer der vier IOC-Vizepräsidenten hat er auch Ambitionen auf die Nachfolge des 2001 aus seinem Amt scheidenden Juan Antonio Samaranch angemeldet.

Gosper wird vorgeworfen, bei zwei Reisen in die USA geldwerte Vorteile in Höhe von 32 000 Dollar erhalten zu haben. Eine dieser Reisen mit seiner Frau und zwei Kindern ist offenbar auf Einladung des damaligen Vorsitzenden des Bewerbungskomitees von Salt Lake City, Tom Welch, erfolgt. Gosper hat diese Vorwürfe dementiert. Sie seien "hinterhältig". Auch nach der Anhörung gestern in Lausanne gab sich der Australier "tief verletzt". Das Wichtigste sei, dass die Kommission "in Ruhe arbeiten kann".

Das achtköpfige Gremium war als Folge des Korruptionsskandals um Salt Lake City eingesetzt worden. Als erste Konsequenz hatten zehn IOC-Mitglieder ihr Mandat verloren, sechs durch Ausschluss, vier durch Rücktritt. Der Ethik-Kommission gehören mit dem ehemaligen US-Senator Baker, dem ehemaligen UN-Generalsekretär Perez de Cuellar, dem früheren französischen Justizminister Badinter und dem ehemaligen Schweizer Bundesrat Furgler vier unabhängige Persönlichkeiten an. Die Ethik-Kommission war erstmals mit ihrer Weigerung in die Kritik geraten, den Fall des ebenfalls in den Korruptionsskandal verwickelten Südkoreaners Un Yong Kim wieder aufzugreifen. Der wie Gosper dem IOC-Exekutivkomitee angehörende Kim war vor einem Jahr mit "strengstem Verweis" davongekommen. Zudem hatte die IOC-Spitze erklärt, bei einer neuen Beweislage weitere Untersuchungen anzustellen. Inzwischen steht ein Kim-Sohn vor einem US-Gericht unter Anklage. Er soll sich durch einen über Salt Lake City erhaltenen und bezahlten fiktiven Job eine Aufenthaltsgenehmigung für die USA erschlichen haben.

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