Sport : Der Bergarbeiter

Wie Armstrong immer wieder Ullrich zurücklässt

Claus Vetter

Lance Armstrong fährt schon mal vor, während sich weit hinter ihm Jan Ullrich den Berg hinaufquält. Die Szene, die sich gestern bei der ersten Pyrenäen-Etappe der Tour 2004 ereignete, ist bekannt aus den vergangenen Duellen der beiden Radprofis bei der Frankreich-Rundfahrt. Schon dreimal hat der Amerikaner den Deutschen in den Bergen geschlagen und damit die Gesamtwertung schon vorzeitig so gut wie entschieden:

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2000: Auf der zehnten Etappe, der ersten in den Pyrenäen, offenbart Armstrong schauspielerische Qualitäten. Auf den ersten beiden Steigungen hält sich der Amerikaner zurück. Seine Kontrahenten glauben, dass er nicht in Form ist. Also machen die Fahrer von Ullrichs Team Telekom Tempo. Reingelegt! Armstrong ist schneller wieder da, als Ullrich und seinem Team lieb ist. Armstrong blickt Ullrich einmal tief in die Augen, und weg ist der Amerikaner. Er legt die 13 Kilometer lange Steigung im Alleingang zurück, bevor er zufrieden ins Ziel rollt – fast vier Minuten vor Ullrich.

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2001: Wieder ist es die zehnte Etappe, auf der die Vorentscheidung über den Tour-Sieg fällt. Auf dem Weg nach Alpe d’Huez fährt Armstrong dem erschöpften Ullrich davon und kommt als Etappensieger fast zwei Minuten vor seinem Konkurrenten ins Ziel. Am nächsten Tag triumphiert Armstrong noch einmal in den Bergen – die Tour ist entschieden.

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2003: Auf den ersten Kurven der Pyrenäen-Etappen hat Armstrong noch große Schwierigkeiten. Dann jedoch schlägt er zu – bei der 15. Etappe, beim Anstieg nach Luz-Ardiden. An der letzten Steigung wird es turbulent: Armstrong setzt sich mit Ullrich und Iban Mayo am Hinterrad ab und liegt kurz danach am Boden, weil sich sein Lenker im Rucksack eines Zuschauers verfangen hat. Mayo stürzt ebenfalls. Ullrich gelingt es, den beiden auszuweichen. Der Deutsche spielt Fair, wartet auf das Duo und verliert die Tour: Kaum hat Armstrong zu Ullrich aufgeschlossen, fährt er an ihm vorbei, gewinnt die Etappe und liegt 67 Sekunden vor Jan Ullrich im Gesamtklassement.

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