Sport : Der Berliner Turner trennt sich von seinem Heimtrainer Landgraf

Almuth Wenta

"Es waren 13 Jahre. Das ist genug." Diese Feststellung traf gestern der Berliner Kunstturner Andreas Wecker auf einer Pressekonferenz und meinte damit nicht seine private Beziehung, sondern die zu seinem Heimtrainer Lutz Landgraf. Genau einen Monat vor den Weltmeisterschaften im chinesischen Tianjing sei Andreas Wecker sehr "erleichert", diese Entscheidung getroffen zu haben, ergänzte Managerin und Lebensgefährtin Antje Hertel. Dass ihm die Trennung schwer gefallen sein musste, war an den betretenen Mienen sowohl Weckers als auch des Bundestrainers Rainer Hanschke zu erkennen. Die heiße Phase der Wettkampfvorbereitung werde dadurch nicht gestört.

Im gestern begonnenen Vorbereitungscamp in Kienbaum wird Wecker nun von Rainer Hanschke trainiert. In der Bundesliga, wo Wecker für den Berliner SC antritt, soll er zunächst allein trainieren. "Das habe ich die letzten vier Wochen auch gemacht", sagte Wecker fast ein wenig trotzig. Die deutschen Titelkämpfe, bei denen der gebürtige Staßfurter die Konkurrenz weit hinter sich ließ, scheinen ihn auf seinem neuen Weg zu bestätigen. Das Ziel auf diesem Weg heißt Sydney 2000. Dafür trainiert der 29jährige - "sehr beharrlich und effektiv".

Dass sich jedoch auch ein Wecker dem Team unterzuordnen hat, stellte Bundestrainer Hanschke unmissverständlich fest. Die gut dreiwöchige Vorbereitungszeit in Kienbaum soll vor allem dazu genutzt werden, das "Mannschaftsgefüge zu stabilisieren". Wecker selbst will etwas "von der alten Schule an die Jüngeren weiter geben". Die alte Schule? Damit ist seine Turner-Ausbildung in der Kaderschmiede des SC Dynamo Berlin gemeint und die hat ihn besonders eines gelehrt: immer Haltung zu bewahren. "Der fällt sogar in einer Eins-A-Haltung vom Gerät", kommentierte Bundestrainer Hanschke Weckers Ausführungen.

Während also die Körperspannung bei Wecker kaum zu optimieren ist, gilt das für seine Übungen an den Ringen, am Boden und beim Sprung laut Hanschke noch nicht. "Hier gibt es Reserven, die wir spätestens bis Sydney ausschöpfen wollen."

Die langfristige Vorbereitung auf Sydney 2000 besteitet Wecker jedoch nicht nur in der Turnhalle. So lässt er sich jetzt durch eine Marketingfirma medienwirksam darstellen. Dabei ist sowohl an einen Gastauftritt in einer ARD-Serie gedacht, als auch an ein Gespräch mit Harald Schmidt in dessen Show.

Doch nicht nur das Medium Fernsehen will Wecker "besser nutzen, um das Turnen voran zu bringen", auch im Internet ist jetzt eine Homepage erstellt worden (Andreas-Wecker.de). Die Rahmenbedingungen für sportliche Höchstleistungen sind im Umfeld des Wahlberliners so günstig wie selten. Sein privates Glück mit seiner Managerin ist offensichtlich, die Marketingfirma bindet den Turner in alle Entscheidungen ein, was früher nicht immer der Fall war. Er arbeite heute mehr über den Kopf als über den Körper, sagte Wecker und vielleicht ist dabei sein fortgeschrittenes Turner-Alter sogar ein Trumpf im Hinblick auf Sydney.

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