Sport : Der Bundesliga-Debütant

Rechnung mit einem Unbekannten: Hannover 96 holt Tayfun Korkut als Nachfolger von Mirko Slomka.

Großes im Sinn. Tayfun Korkut unterschrieb in Hannover bis 2016. Foto: Imago
Großes im Sinn. Tayfun Korkut unterschrieb in Hannover bis 2016. Foto: ImagoFoto: imago sportfotodienst

Hannover - Alles zurück auf null: Mit der Verpflichtung von Tayfun Korkut als neuem Trainer weiß Hannover 96 bundesweit zu verblüffen. Der Verein vertraut nach einer fast vierjährigen Ära mit dem in der Branche etablierten Mirko Slomka einem eher unbekannten Novizen. Der frühere türkische Nationalspieler hat als agiler Mittelfeldspieler zwar schon bei Besiktas und Fenerbahce Istanbul, Espanyol Barcelona sowie Real San Sebastian unter Vertrag gestanden. In der Rolle des Cheftrainers ist Korkut aber noch recht ungeübt. „Herr Korkut hat seine Karriere gezielt geplant. Er weiß, was zu tun ist“, glaubt Hannovers Präsident Martin Kind, der den zuletzt erfolglosen Slomka kurz nach Weihnachten entlassen hatte. Vier Tage später verblüffte er mit der Nachricht, dass er dem ersten türkischstämmigen Chefcoach in der Bundesliga seit Arkoc Özcan 1977/78 beim Hamburger SV einen Vertrag bis 2016 gibt.

Slomka hatte zuletzt kaum noch positive Akzente setzen können. Neben der siebenstelligen Abfindung für Slomka investiert dessen früherer Arbeitgeber in eine komplett veränderte sportliche Leitung. Korkut darf sich mit einem neuen Assistenten und einem neuen Fitnesstrainer an seine neuen Aufgabe herantrauen. Der 39-Jährige kommt mit der Empfehlung zu den Niedersachsen, dass er anderthalb Jahre lang (Januar 2012 bis August 2013) Co-Trainer der türkischen Nationalmannschaft war. „Er hat uns mit seiner Persönlichkeit und seiner Vita vollauf überzeugt“, sagt Hannovers Sportdirektor Dirk Dufner. Ihm war es nach der öffentlichen Demontage von Slomka still und heimlich gelungen, den Deal mit Korkut perfekt zu machen. Allerdings dürfte auch der Türke Harun Arslan eine Rolle gespielt haben, der in Hannover lebt und unter anderem als Berater von Bundestrainer Joachim Löw, Slomka, aber eben auch Korkut sein Geld verdient.

Vier Tage haben zwischen der Entlassung von Slomka und der Einstellung von Korkut gelegen. Nach dem Auftakt der Vorbereitung auf die Rückrunde am Sonntag in Hannover fliegt Korkut mit seinem Team ins türkische Belek, um dort die Grundlage für eine erhoffte Verbesserung zu schaffen. Er übernimmt das auswärtsschwächste Team der Liga, das zuletzt mit wenig System und Harmonie auf dem Platz aufgetreten ist. „Vor uns liegt eine anspruchsvolle, aber auch faszinierende Aufgabe, auf die ich mich sehr freue“ – mit diesen blumigen Worten zitiert die Medienabteilung von Hannover 96 den Hoffnungsträger im Amt. Nicht ganz so freundlich ging so mancher Anhänger seines neuen Arbeitgebers mit ihm um. Auf der Facebook-Fanseite des Vereins musste rund um den Jahreswechsel so mancher Eintrag gelöscht werden. Auch die Tatsache, dass Slomka nach vier mehrheitlich erfolgreichen Jahren in seiner Heimatstadt Hannover sehr beliebt ist, wird den Einstand seines Nachfolgers nicht gerade erleichtern.

Möglichst jung und unverbraucht sollte der neue Trainer sein. Am besten der deutschen Sprache mächtig, mit modernen Methoden vertraut und für eine Aufbauarbeit mit Perspektive aufgeschlossen. Dass der in Stuttgart geborene Korkut vier Sprachen spricht und zumindest als U-19-Trainer des VfB Stuttgart Erfahrung im deutschen Fußball sammeln konnte, macht ihn aus Sicht der Vereinsführung zum idealen Kandidaten. Hannover 96 beschäftigt ein Ensemble mit Spielern aus elf verschiedenen Ländern, das bis auf den 13. Tabellenplatz abgerutscht ist. Es hatte die Anweisungen von Slomka zuletzt nicht mehr verstehen können oder wollen. Christian Otto

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