Sport : Der dritte Beinbruch binnen zwei Jahren trifft Kjetil Rekdal hart

Klaus Rocca

Es war zu fast mitternächtlicher Stunde. Dieter Hoeneß war im Presseraum des Olympiastadions umringt von Journalisten, als sein Handy klingelte. Hoeneß stellte die Verbindung her und wurde blass. "Auch das noch", stöhnte Herthas Manager wenig später. Gerade hatte er erfahren, dass Kjetil Rekdal im Duell mit Famagusta das Wadenbein gebrochen hatte. Betretene Gesichter reihum. Für Trainer Jürgen Röber, dem die Nachricht alsbald übermittelt wurde, war es gar "eine Katastrophe".

Der Betroffene war gestern früh tief am Boden. Er könne, so Rekdal, keinen Fußball mehr sehen, habe "die Schnauze voll". Am liebsten würde er mit der Familie ganz weit weg fahren. Ob das sein Arbeitgeber allerdings gestatte, wisse er nicht. Hoeneß gab sich generös: "Wir erwägen, ihm Sonderurlaub zu gewähren. Schließlich ist die Heilung auch eine Sache des Kopfes."

Rekdals Verbitterung ist verständlich. Bereits zum dritten Male brach das linke Bein. War vor zwei Jahren beim Trainingslager an der Algarve ein Spieler von Wladikawkas der Schuldige, im Februar dieses Jahres wenige Sekunden nach dem Anpfiff der Dortmunder Heiko Herrlich, so erwischte es Herthas Mannschaftskapitän diesmal bei einem Zusammenprall mit einem Mannschaftskameraden. "Ich bin bei einem Kopfball hochgestiegen und dabei mit Jolly kollidiert", erzählt Rekdal. Also der Norweger Rekdal gegen den Isländer Eyjölfur Sverrisson. Kurioserweise hatte Rekdal danach keinen Schmerz verspürt. Erst als er später mit dem linken Fuß flankte, durchzuckte es ihn. Den Platz verließ er dennoch kaum sichtbar humpelnd.

Als der Libero noch vor dem Schlusspfiff mit einem Hertha-Vertreter ins Martin-Luther-Krankenhaus fuhr, wusste er, was bei der Röntgenuntersuchung herauskommen würde. "Da habe ich", so Rekdal, "schließlich genug Erfahrung." Die Diagnose: Bruch des Wadenbeins an genau derselben Stelle wie im Februar. Immerhin: Eine Operation ist nicht erforderlich. Dennoch acht Wochen Pause, noch ehe die Saison so recht begonnen hat. Kein Rückspiel für ihn auf Zypern, zunächst keine Spiele in der Champions League (so sie erreicht wird). Bitter für einen, der beim letzten Beinbruch davon gesprochen hatte, er würde mit dem Fußball aufhören, wenn das ihm noch einmal passiere.

Bei aller Niedergeschlagenheit: Ans Aufhören denkt der 30-Jährige nicht. "So möchte ich meine Karriere nicht beenden", sagt er. Für Norwegen will er allerdings nur noch bis zur Europameisterschaft 2000 spielen. 79-mal hat Rekdal bislang das Nationaltrikot übergestreift. Bei der enormen Belastung im Verein will er seinem Körper nicht zu viel zumuten. Noch dazu einem Körper, der ihm längst nicht mehr so gehorcht, wie er es gern möchte.

Für den Mannschaftsarzt ist der dritte Bruch am selben Bein "sehr ungewöhnlich". Ulrich Schleicher sieht nur zwei Möglichkeiten: Der Bruch war noch nicht hundertprozentig verheilt oder Rekdal hat eine Knochenkrankheit. Letztere wurde freilich bei den Untersuchungen im Februar ausgeschlossen.

Rekdals Malheur ist auch Jürgen Röbers Dilemma. Marko Rehmer für Wochen außer Gefecht, Dick van Burik auch, nun noch Rekdal - die Sorgen um die Abwehr werden immer größer. Hoeneß sieht "keinen Grund zur Panik", schließt allerdings nicht aus, dass "irgendwann Handlungsbedarf besteht". Vorerst werden sich Andreas Neuendorf oder Kostas Konstantinidis auf der Libero-Position bewähren dürfen. Derweil Kjetil Rekdal wieder einmal im Wartestand ist.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben