Sport : Der dritte Mann

Joachim Löw wird neuer Kotrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft

Stefan Hermanns

Berlin - Joachim Löw hat in Karlsruhe, beim KSC, keine berauschende Zeit erlebt. Als der Trainer den Zweitligisten übernahm, war der KSC Tabellendreizehnter. Als Löw 18 Spieltage später entlassen wurde, lag die Mannschaft abgeschlagen auf dem letzten Platz. Ein einziger Sieg war ihr in dieser Zeit gelungen, Karlsruhe stieg in die Regionalliga ab, und Löw hat seitdem keinen Job mehr in Deutschland gehabt. Bis gestern. Da wurde der 44-Jährige vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) zum Assistenten des neuen Bundestrainers Jürgen Klinsmann ernannt. „Mit Joachim Löw habe ich einen kompetenten Wunschkandidaten gefunden, der alle meine Anforderungen erfüllt“, sagte Klinsmann.

Bei seiner Vorstellung am Tag zuvor hatte der neue Bundestrainer diese Anforderungen präzisiert: Ein offener Typ solle der Assistent sein, Bundesligaerfahrung besitzen, bei den Erstligaklubs akzeptiert sein sowie Elan und Energie mitbringen. Die Suche nach seinem Kotrainer hatte Klinsmann als seine wichtigste Aufgabe bezeichnet. Nach den Vorstellungen des DFB sollte eigentlich Holger Osieck diese Rolle übernehmen. Doch Klinsmann wehrte sich gegen die Bevormundung durch den Verband und erklärte die Suche zur Chefsache. Er brauche jemanden, „dem ich 1000 Prozent vertrauen kann, mit dem ich mich blind verstehe“.

Das schließt auch eine ähnliche Vorstellung vom künftigen Fußball der Nationalmannschaft ein. Klinsmanns Ziel ist es, einen Stil zu finden, „der unserer Mentalität entspricht: aggressiv zu sein, Tempo reinzukriegen“. Das trifft sich mit den Ideen von Joachim Löw. „Kühlschrankfußball à la Bayern kommt für mich nicht in Frage“, hat er einmal gesagt, als er noch den VfB Stuttgart trainierte. Unter Löw hat der VfB das Publikum mit modernem Offensivfußball verzückt. Es war die beste Zeit des so genannten magischen Dreiecks aus Krassimir Balakow, Giovane Elber und Fredi Bobic. 1997 gewannen die Stuttgarter den DFB-Pokal, im Jahr darauf führte Löw die Mannschaft ins Endspiel um den Europapokal der Pokalsieger (0:1 gegen Chelsea).

Der neue Kotrainer wird vor allem in der Trainingsplanung eine wichtige Rolle spielen. Trotzdem: „Er ist für mich alles andere als ein Hütchenaufsteller“, sagte Klinsmann über seinen künftigen Assistenten, der ebenso wie er und Manager Oliver Bierhoff einen Zweijahresvertrag beim DFB erhalten hat. „Ich werde ihm viel Verantwortung übergeben und bin mir absolut sicher, dass sie bei ihm in den richtigen Händen ist.“

Weil Löw die langjährige Bundesligaerfahrung nicht besitzt, hob Klinsmann dessen Tätigkeit im Ausland hervor. Dadurch habe er auch andere Strukturen kennen gelernt. Löw hat als Trainer in der Türkei gearbeitet, bei Fenerbahce Istanbul und Adanaspor, in Österreich, beim FC Tirol, mit dem er 2002 Österreichischer Meister wurde, und zuletzt bei Austria Wien. Dort wurde Löw im Frühjahr entlassen. Seitdem war er arbeitslos.

Die Personalie Löw ist ein weiterer Sieg Klinsmanns gegen den DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder. Der war zu Löws Zeiten in Stuttgart Präsident des VfB und ist nie ein Freund des beliebten Trainers gewesen. Erst wehrte sich Mayer-Vorfelder lange dagegen, Löw vom Interimstrainer zum Chefcoach zu befördern, dann verlängerte er dessen Vertrag nicht mehr, obwohl Löw mit dem VfB gerade das Europapokalfinale erreicht hatte. Einen Nachfolger hatte Mayer-Vorfelder längst gefunden: Es war Winfried Schäfer.

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