Sport : Der Favorit trägt Gelb

Floyd Landis erobert die Tour-Führung – Mentschow gewinnt schwere Pyrenäen-Etappe

Sebastian Moll[Val d’aran]

Kaum einen Meter Asphalt konnte Andreas Klöden mehr sehen, so dicht drängten sich die Fans auf dem Pyrenäen-Pass zum Pla de Beret um die Fahrer. Aber Klöden wollte am Ende der bislang härtesten Etappe der Tour ohnehin nicht mehr nach vorne schauen. Denn dort entschwanden, zwei, drei Serpentinen über ihm, seine Hoffnungen auf den Tour-Sieg. In einem Ausscheidungsfahren den 13 Kilometer langen Schlussanstieg hinauf gehörte Klöden zwar sehr lange zu den Spitzenfahrern. Doch sechs Kilometer vor der Passhöhe konnte auch er den Besten nicht mehr folgen. Jenen, die die Etappe unter sich entschieden und die vermutlich auch den Tour-Sieg untereinander ausmachen werden. Am Ende sprinteten die Amerikaner Levi Leipheimer und Floyd Landis sowie der Russe Denis Menschow um den Tageserfolg. Den Sprint gewann Menschow, das Gelbe Trikot übernahm Floyd Landis.

Floyd Landis stellt sich damit immer mehr als der Topfavorit dieser Tour de France heraus. Schon im Zeitfahren am vergangenen Samstag hatte er eine überragende Vorstellung abgeliefert und nun gezeigt, dass er trotz seines schweren Hüftleidens auch in den Bergen in diesem Jahr das Maß der Dinge ist. „Seit ich von meiner Krankheit weiß“, sagte er im ersten gelben Tour-Trikot seines Lebens, „bin ich für jeden Tag, an dem ich noch Radfahren kann, dankbar. Ich bin sehr dankbar, heute hier zu stehen.“

Levi Leipheimer vom Team Gerolsteiner hat indes trotz einer starken Leistung kaum noch Aussicht auf Gelb. Nach seinem Einbruch beim Zeitfahren von Rennes ist sein Rückstand von beinahe sechs Minuten wohl bereits zu groß, um noch ernsthaft um den Tour-Sieg mitstreiten zu können. Alleine Denis Mentschow auf dem dritten Gesamtrang und der Australier Cadel Evans auf Platz vier scheinen Landis noch gefährden zu können.

So kam nach der elften Tour-Etappe endlich Übersicht in das bislang amorphe Favoritenfeld, das die verabschiedeten Stars Ullrich und Basso hinterlassen hatten. Die Härten von fünf langen Anstiegen im Bergland des spanisch-französischen Grenzgebiets dünnten den Kreis der Anwärter für den Tour-Sieg auf ein überschaubares Maß aus, nachdem die erste Bergetappe am Mittwoch nur wenig Klarheit gebracht hatte.

Übersicht in dieses Rennen zu bringen, sei auch das Tagesziel gewesen, sagte Andreas Klöden völlig erschöpft an der Skistation des Puerto de Beret. Das Resultat hatte er sich jedoch anders vorgestellt. Immerhin etablierte er sich jedoch als klarer Anführer seiner eigenen Truppe. Auch seine Mannschaftskameraden Patrick Sinkewitz, Michael Rogers und Sergej Gontschar kamen am Ende nicht mehr mit.

Rogers, Sinkewitz und Gontschar waren allerdings nicht die einzigen Opfer des gnadenlosen Ausmistens in den Pyrenäen. Die Liste der Opfer war lang: angefangen von Georg Totschnig und seinem jungen Gerolsteiner-Kollegen Markus Fothen bis hin zu vor der Tour hoch gehandelten Fahrern wie den langjährigen Armstrong-Adjutanten Paolo Savoldelli und George Hincapie. Der ehemalige Armstrong-Helfer Landis, nun bei der Schweizer Mannschaft Phonak, war hingegen der Mann des Tages. Nun schickt er sich an, die Nachfolge des einstigen Lehrmeisters zu übernehmen.

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