Sport : Der Feind in meinem Trikot

Claudio Pizarro hindert Roy Makaay am Torschuss und vereitelt einen höheren Sieg der Bayern

Daniel Pontzen[München]

Von Felix Magath ist bekannt, dass er Siege nicht ganz so ausgelassen feiert wie, sagen wir Jürgen Klopp. Am Samstagnachmittag aber, nach dem 2:0 seines FC Bayern München gegen Eintracht Frankfurt, war Magath regelrecht verärgert. „Wer weiß, vielleicht kommt es am Ende der Saison auf die Tordifferenz an“, schimpfte der Münchner Trainer, „und dann fehlt uns dieses eine Tor.“

Dieses eine Tor, das Claudio Pizarro nicht erzielt hatte, das er auch gar nicht erzielen sollte, als es kurz vor der Halbzeitpause Elfmeter gab für den FC Bayern. Pizarro hatte den Elfmeter selbst herausgeholt und sah sich deshalb wohl im moralischen Recht, ihn auch schießen zu dürfen. Seinen holländischen Kollegen Roy Makaay schob er zur Seite, legte den Ball auf den Punkt, lief an – und scheiterte am Frankfurter Torhüter Oka Nikolov. „Pizarro hatte wohl vergessen, dass Makaay als Elfmeterschütze die unumstrittene Nummer eins ist“, sagte Magath. „Wenn die Fernsehkameras nicht da gewesen wären, wäre ich auf den Platz gelaufen und hätte Roy den Ball in die Hand gedrückt.“

Da die Bayern zu diesem Zeitpunkt bereits 2:0 führten und dieses Ergebnis bis zum Abpfiff mühelos beaufsichtigten, war der emotionale Zwischenfall am Ende zur Petitesse geschrumpft. Doch jenes Nicht-Tor stand am Ende exemplarisch für die Münchner, die einen Tag nach dem grandiosen Auftritt des Konkurrenten Werder Bremen abermals den Eindruck hinterließen, sich mit dem Nötigsten zufrieden zu geben. „Und damit sind wir dann bei dem, was mir nicht gefallen hat in diesem Spiel“, sagte Felix Magath, „dass wir nämlich in der zweiten Halbzeit das 2:0 nur noch nach Hause schaukeln wollten.“

Eine grundsätzliche Differenz zwischen dem eigenen Leistungsvermögen und dem des Tabellenführers wollten die Bayern jedoch nicht erkennen. Werder habe zuletzt „ein paar Tore mehr geschossen“, sagte Philipp Lahm betont unbeeindruckt, „aber sonst fehlt uns da nichts.“ Und sein Abwehrkollege Daniel van Buyten merkte an: „Irgendwann werden wir Werder überholen, denn der erste Platz ist nicht der richtige Platz für Werder.“ Auch Magath warnte vor voreiligen Diagnosen: „Wir schreiben Oktober 2006, da ist es nicht nur bis zum Saisonende noch lange hin, sondern auch bis Weihnachten.“

Für Roy Makaay war der Samstag, einmal abgesehen von dem Scharmützel mit Claudio Pizarro, ein guter Tag. Das erste Tor schoss er selbst, das zweite bereitete er mit feinem Pass auf seinen Landsmann Mark van Bommel vor. „Ich freue mich sehr für Roy“, sagte Trainer Magath, „vielleicht bekommt er ja in diesem Jahr endlich auch einmal die Torjägerkanone.“ Dass ihn Pizarro bei dieser Mission aktiv behinderte, wollte der Holländer nicht kommentieren. Zum Fehlschuss seines Kollegen sagte Roy Makaay nur einen Satz. „Ab jetzt schießt nur noch der Roy.“

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