Sport : Der fragliche Sieg

Tour-Gewinner Floyd Landis ist positiv auf Testosteron getestet worden

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Berlin - Die Begeisterung für Floyd Landis’ grandiosen Ritt über die Alpen war von Anfang an verhalten. Man hätte ihn gerne als Symbol der Hoffnung und eines abermaligen Neubeginns gesehen, doch nach allem, was man zu Beginn der Tour von den amtierenden Radsport-Idolen zu hören bekam, war man vorsichtig mit der Zuneigung an Radfahrer geworden. Schließlich waren schon vor Beginn mehrere Fahrer wie die Favoriten Jan Ullrich und Ivan Basso wegen Verstrickung in den spanischen Dopingskandal suspendiert worden. Wie sich gerade einmal vier Tage nach Landis’ Tour-Sieg herausstellt, war solche Vorsicht angebracht. Am Donnerstag wurde öffentlich, dass gegen Landis ein schwerer Verdacht des Testosteron-Dopings vorliegt.

Bereits am Mittwoch hatte der Internationale Radsportverband UCI mitgeteilt, dass es bei der Tour einen Dopingfall gegeben habe. Die UCI darf allerdings bis zur Öffnung der B-Probe die Namen auffälliger Fahrer nicht veröffentlichen. Sie hatte jedoch den für Landis zuständigen Verband USA Cycling sowie Landis’ Rennstall Phonak informiert. Am Donnerstag bestätigte Phonak, dass Landis bei einer Dopingkontrolle am 17. Juli aufgefallen war. Der Urin des Amerikaners wies einen zu hohen Quotienten von Testosteron zu Epitestosteron auf – ein Indiz für Doping mit dem Hormon Testosteron.

Landis war schon am Mittwoch überhastet aus den Niederlanden zurück in die USA gereist. Er hatte am Dienstagabend noch in Stiphout ein Rennen gewonnen und war am Donnerstag in Dänemark zu einem weiteren Rennauftritt erwartet worden. Als Erklärung für seine Abfahrt gab Landis zunächst an, dass ihn seine Hüfte, die demnächst operiert werden soll, plötzlich schmerze. Am Donnerstag erklärte indes seine Mannschaftsleitung, dass Landis versuchen werde, durch eine Gegenanalyse zu beweisen, dass sein positiver Test aufgrund natürlicher Prozesse oder eines fehlerhaften Testverfahrens zustande gekommen sei. Doch Landis’ Chancen sind gering. „Wenn eine A-Probe psoitiv auf Testosteron untersucht wurde, dann ist die B-Probe in 99 Prozent der Fälle ebenfalls positiv“, sagte Roland Augustin, der Geschäftsführer der deutschen Anti-Doping-Agentur.

Das Phonak-Team erklärte, dass es in Übereinstimmung mit dem selbstauferlegten Ethik-Code der Pro-Tour-Mannschaften Landis bis auf weiteres suspendiere. Landis droht nun eine zweijährige Sperre, zudem haben sich die Teams darauf verständigt, nach Ablauf der Sperre ein Startverbot von zwei Jahren bei der Pro Tour anzuhängen.

Der positive Test von Landis stammte aus einer Probe, die am Abend seines triumphalen Ritts nach Morzine genommen wurde. Landis hatte an jenem Tag einen als uneinholbar geltenden Rückstand von beinahe acht Minuten wettgemacht und sich aus aussichtsloser Lage wieder in den Kampf um den Tour-Sieg manövriert. Die Radsportwelt hatte die Attacke von Landis als historisch gefeiert – so etwas hatte man seit Eddy Merckx nicht mehr erlebt.

Konkrete Verdachtsmomente gegen Landis gab es bislang nicht. Lediglich, wie bei so vielen Radsportlern, Indizien. So nahm Landis in seiner Zeit als Helfer von Lance Armstrong von 2003 bis 2004 wie sein Chef die Dienste des italienischen Sportmediziners Michel Ferrari in Anspruch. Der Arzt aus Bologna, der in Italien der Weitergabe von Dopingmitteln an Sportler überführt wurde, führte für Armstrong sowie für Landis und George Hincapie Leistungstests durch und stellte Trainingspläne auf.

Auch Landis’ Rennstall Phonak hat sich in der Vergangenheit nicht gerade durch Härte und Konsequenz im Kampf gegen Doping hervorgetan. Erst im Winter 2004/2005 ist Phonak die Pro-Tour- Lizenz, die Berechtigung an den großen Rennen des Sports teilzunehmen, entzogen worden, weil die Mannschaft beim Dopingfall des Olympiasiegers Tyler Hamilton zu zögerlich gehandelt hatte.

Sollte die B-Probe, auf der Landis besteht und deren Ergebnis in den nächsten Tagen veröffentlicht wird, den positiven Test bestätigen, bekäme er den Tour-Titel entzogen. Zum Tour-Sieger würde nachträglich der Spanier Oscar Pereiro ernannt, auf den zweiten Platz würde Andreas Klöden rücken. „Sollte ich die Tour gewinnen, würde es sich anfühlen wie ein akademischer Sieg“, sagte Pereiro, „man muss einen Sieg in Paris feiern, sonst ist es nur ein bürokratischer Sieg.“

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