Sport : Der Geburtshelfer

20 Jahre nach dem Wimbledonfinale gegen Boris Becker trifft der Südafrikaner Kevin Curren erneut auf das deutsche Tennis

Benedikt Voigt

Wenn die Geburtsstunde des deutschen Tennis auf den 7. Juli 1985 fiel, darf sich Kevin Curren getrost als Geburtshelfer bezeichnen. Denn was wäre passiert, wenn der Südafrikaner jenes legendäre Finale in Wimbledon nicht verloren sondern gewonnen hätte? Boris Becker wäre nicht der jüngste Wimbledonsieger aller Zeiten geworden, und, wer weiß, vielleicht hätte er auch das Finale im folgenden Jahr gegen Ivan Lendl verloren, weil ihm die Gewissheit gefehlt hätte, ein solches Match gewinnen zu können. Vielleicht wäre in diesem Fall das bekannte deutsche Tenniswunder nur ein unbeachtetes Wunderchen geworden. Es ist anders gekommen, dank Kevin Curren.

Ab heute kann Kevin Curren dem deutschen Tennis erneut behilflich sein. Dazu müsste er wieder verlieren, diesmal als Teamchef der südafrikanischen Davis-Cup-Mannschaft, die in Johannesburg in der Europa-Afrika-Zone gegen Deutschland antritt. Nicolas Kiefer beginnt gegen Wesley Moosley (14 Uhr, live im DSF) , anschließend spielt Thomas Haas gegen Rik de Voest. Ein Erfolg würde dem deutschen Team die Chance eröffnen, im September die Zweitklassigkeit zu beenden und in die Weltgruppe zurückzukehren. Eine Geburtsstunde aber wird das Match in Südafrika keinesfalls, höchstens eine Geburtstagsfeier, die den Nachweis erbrächte, dass das deutsche Tennis am Leben ist.

Doch auch für Südafrika ist der Ausgang des Duells mit Deutschland wichtig. „Der Davis-Cup ist eine Chance“, sagt Curren, „einen Spieler wie Thomas Haas live zu erleben, kann eine Signalwirkung für viele sportbegeisterte Kinder haben.“ Tennis kämpft in Südafrika weit hinter Fußball, Cricket und Rugby um Aufmerksamkeit. Nach dem Karriereende von Amanda Coetzer und Wayne Ferreira gibt es keinen Spieler, der mit der Weltspitze mithalten könnte. Curren hat sogar Ferreira für das Match gegen Deutschland reaktiviert, der 33-Jährige wird im Doppel spielen.

Curren, dessen verlorenes Wimbledonfinale und der anschließende Platz fünf in der Weltrangliste seine größten Erfolge blieben, ist der wichtigste Repräsentant des südafrikanischen Tennis. Lange Jahre lebte er in den USA, doch seit 1996 arbeitet er als Jugendtrainer und nun als Davis-Cup-Teamchef in Südafrika. „Kevin hat weltweit alle wichtigen Kontakte“, sagt der südafrikanische Verbands-Präsident Ian Smith, „er wird von den Verantwortlichen der Tennisverbände respektiert.“ Allerdings hat Curren bereits gesagt, dass die Partie gegen Deutschland die letzte als Teamchef sein werde. Es ist also auch eine der letzten Chancen für das deutsche Davis-Cup-Team, Hilfe von Kevin Curren zu erlangen.

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