Sport : Der Gegner in meinem Tor

Torhüter Ziffzer und Zepp streiten bei den Eisbären

Claus Vetter

Berlin - Der junge Mann sieht recht smart aus. Und er weiß auch, was er zu sagen hat, nachdem er die Torhütermaske nach oben gestreift hat und sein Blondschopf unterm Helm hervorlugt. „Großartig“ war es bei seinem ersten Spiel in der Deutschen Eishockey-Liga am Sonntag in Mannheim, sagt Rob Zepp. Der neue Torwart der Eisbären lächelt nordamerikanisch professionell: „Das Resultat war noch großartiger.“ Nun gut, ein 6:3-Erfolg beim Meister, das ist zum Saisonauftakt nicht schlecht. Und es soll für die Eisbären heute bei den Kölner Haien so weitergehen. Allerdings soll Zepp die Partie in der gut gefüllten Kölnarena – bereits Mittwoch waren über 13 000 Karten verkauft – nur von der Berliner Mannschaftsbank aus verfolgen: Youri Ziffzer soll im Tor der Eisbären stehen.

Trainer Don Jackson lässt also rotieren im Berliner Tor. Für Ziffzer ist das eine Situation, die er in der vergangenen Saison schon hinter sich gebracht zu haben schien. Da nämlich wurde der junge Torhüter von einem Talent zur ersten Wahl in einem schwachen Berliner Team, spielte aber so ordentlich, dass er sogar in den erweiterten Kreis der Nationalmannschaft aufstieg. Warum also haben die Eisbären ihrem aufstrebenden 21 Jahre alten deutschen Torwart einen 26 Jahre alten Kanadier zur Seite gestellt und ihn so zum Torhüter auf Teilzeit gemacht? Peter John Lee sagt, er habe Ziffzer mit der Verpflichtung Zepps motivieren wollen. „Ein bisschen Konkurrenz tut Youri ganz gut“, glaubt der Manager der Eisbären. Vergangene Saison hatte Lee noch gesagt: „Die Konkurrenz für Youri ist nicht im eigenen Team, sondern in der Liga.“

Doch Youri Ziffzer scheut den Vergleich mit dem erfahrenen Keeper nicht. „Der muss erst einmal sehen, dass er an mir vorbeikommt“, sagt er. Das will Rob Zepp naturgemäß auch. „Ich will so viel spielen wie möglich“, sagt er. Worte zum Kollegen sind Zepp allerdings nicht zu entlocken: „Ich schaue auf meine Leistung.“ Das Verhältnis beider Torhüter sei gut, sagt dagegen Ziffzer – aber naturgemäß kann es nicht sehr gut sein. Der Jüngere will seine Profikarriere so richtig in Schwung bringen, der Ältere will nach einer lausigen Saison beim finnischen Klub Saipa Lappeenranta und Verletzungspech wieder in Schwung kommen: Das beißt sich – und das mag Jackson. Bei der Düsseldorfer EG musste der US-Amerikaner zwei Spielzeiten lang mit einem kleinen Kader auskommen, in Berlin kann er bei über 30 Spielern auf den Druck der Konkurrenz bauen. „Beide Torhüter arbeiten sehr hart“ und „von Spiel zu Spiel“ entscheide er, wer im Tor steht, sagt Jackson.

Das klingt zwar wenig einfallsreich, aber es ist dem Trainer anzumerken, dass er die Entscheidung über die Eins im Tor nicht so schnell fällen will. „Man kann die gesamte Saison mit zwei sich abwechselnden Torhütern spielen“, sagt Jackson. Es wird aber nicht so weit kommen, glaubt Ziffzer. „Der Bessere wird sich durchsetzen“, sagt er. Logisch, wen er meint.

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