Sport : Der geplante Sieg

Regina Schleicher wird Straßenrad-Weltmeisterin

Hartmut Scherzer

Madrid - Trixi Worrack riss im Pulk der Fahrerinnen schon jubelnd die Arme hoch, da war Regina Schleicher noch gar nicht über die Ziellinie gespurtet. So sicher waren sich die deutschen Radlerinnen und ihr Bundestrainer Jochen Dornbusch, dass die 31 Jahre alte Kindergärtnerin aus Marktheidenfeld im Massenspurt nicht zu schlagen sein würde. „Regina ist die Schnellste der Welt“, hatte Dornbusch schon am Vorabend verkündet. Der Mann behielt Recht. Regina Schleicher wurde Radweltmeisterin auf der Straße vor der Engländerin Nicole Cooke und der Australierin Oenone Wood in 3:08:52 Stunden für die 126 Kilometer. Worrak belegte Platz zehn.

Wenn man so jemanden wie Regina Schleicher im Team hat, wird die Taktik ganz auf sie ausgerichtet. „Regina war die Favoritin. Das war im Voraus klar. Auf sie kann man sich verlassen“, sagte Judith Arndt und hatte die Favoritenrolle an Schleicher abgegeben. Die Titelverteidigerin startete zwar, war aber durch ein Virus geschwächt. Die sieben deutschen Frauen hielten auf den sechs Runden des Stadtkurses von Madrid mit ihrer Team-Dominanz das Peloton für das Spurtfinale zusammen. Geradezu perfekt bereiteten Judith Arndt, die 35. wurde, Theresa Senff (36.) und Trixi Worrack die Anfahrt auf den letzten 600 Metern des Paseo de Los Castanos vor. Der Lohn des Teamworks: das Regenbogentrikot der Weltmeisterin für Regina Schleicher. Die bedankte sich anschließend bei ihren Team-Kameradinnen: „Am letzten Berg haben sie auf mich gewartet. Trixi hat mich dann mit Druck ins Ziel gebracht.“

Dornbusch schwärmte: „Ein Traum, wie die das Ding im Finale angezogen haben.“ Zweimal hintereinander hat die deutsche Mannschaft nun den Titel geholt. „Das ist schon irre“, jubelte der Bundestrainer. Der Start Judith Arndts war im Vorabend noch sehr fraglich. Doch die Weltmeisterin 2004 wollte das Team nicht im Stich lassen. „Das war mein letztes Korn, das ich heute irgendwo noch gefunden habe“, sagte sie mit blassem Gesicht.

Regina Schleicher aber strahlte, nach einer so langen Karriere – sie saß bereits mit zehn Jahren auf dem Rennrad – die höchste Trophäe im Frauen-Radsport gewonnen zu haben. „Ich konnte es nicht glauben, als ich über die Ziellinie fuhr. Ich kann es immer noch nicht richtig fassen“, sagte sie auch noch auf der Pressekonferenz. „Das kommt erst nach und nach.“

Die blonde Fränkin, die mit ihrem italienischen Lebensgefährten in Camaiore in der Toskana lebt, hatte ihre blendende Form im Sommer angedeutet, war Deutsche Straßenmeisterin geworden und hatte zuletzt drei Etappen bei der Holland-Rundfahrt gewonnen. Seit fünf Jahren ist sie Profi in der Mannschaft Nürnberger. Den Aufschwung im deutschen Frauen-Radsport führt sie auf das gute Verhältnis der Fahrerinnen untereinander zurück. Das war nicht immer so. „Aber seit drei, vier Jahren verstehen wir uns glänzend.“ So seien die Erfolge zu erklären. „Es gibt keinen Neid“, bestätigte Dornbusch.

Wie schon im Vorjahr Judith Arndt klagte auch Regina Schleicher über die Missachtung des Frauen-Radsports in den Medien. Nur einmal im Jahr kämen sie ins Fernsehen – zur Weltmeisterschaft. Doch selbst das hat dem Ansehen des Frauen-Radsports nur begrenzt geholfen: „Wir mussten heute schon um neun Uhr starten“, bedauerte die Weltmeisterin. „So früh schaut keiner im Fernsehen zu.“

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