Sport : Der Gewalt ergeben

Robert Ide

Gewalt ist ein gesellschaftliches Problem. Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sind gesellschaftliche Probleme. So argumentiert der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV), und falsch ist diese Argumentation ja nicht. Um Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus auf ostdeutschen Fußballplätzen zu erklären, reicht sie aber nicht aus. Gesellschaftliche Probleme müssen gelöst werden. Der NOFV scheint sich daran bislang nicht zu beteiligen.

Vor sieben Monaten wurde der nigerianische Oberliga-Fußballer Adebowale Ogungbure beim Spiel seines Klubs Sachsen Leipzig gegen den Halleschen FC aus rassistischen Motiven körperlich angegriffen. Beide Vereine wurden vom NOFV mit Geldstrafen belegt, jedoch nur, weil Leuchtraketen auf den Platz geflogen waren. Die Attacken auf den Nigerianer blieben bislang ungestraft.

Nach erneuten fremdenfeindlichen Ausfällen Hallescher Fans im Oktober griff der NOFV endlich härter durch. Doch ein Verbands-Berufungsgericht reduzierte die Geldstrafe und strich die Auflage, dass „der Verein sicherstellen muss, dass es auf den Rängen keine fremdenfeindlichen Bekundungen gibt“.

Am Wochenende nun musste das Oberligaspiel zwischen Zwickau und Chemnitz wegen Fanrandale unterbrochen werden, Zwickaus Präsident Volker Seifert trat entnervt zurück. Und was tut der NOFV? Der Verband schiebt alle Schuld auf die Gesellschaft – und ignoriert, dass er selbst dazu gehört. Eine bessere Kooperation mit Polizei und Fanprojekten, auch harte Strafen und Beratung für die Vereine, das müssten die Signale des organisierten ostdeutschen Fußballs sein.

Der NOFV macht derzeit nicht den Eindruck, dazu in der Lage zu sein. Wenn dieser Eindruck falsch ist, müsste man wohl annehmen, dass der Verband nicht willens ist.

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