Sport : Der Glaube ist zurück

Wie Neuseeland beim America’s Cup auferstanden ist

Ingo Petz[Valencia]

„Ka Mate! Ka Mate! Ka Ora! Ka Ora! Das ist der Tod! Das ist der Tod! Das ist das Leben! Das ist das Leben.“ Mit herausgestreckten Zungen und aufgerissenen Augen stampften und schrien die Maori ihren Kriegstanz auf der neuseeländischen Yacht heraus, als die elf America’s-Cup- Herausforderer ihre Boote im Hafen von Valencia präsentierten. Der Haka soll nicht nur den Gegnern das Fürchten lehren, er soll den Krieger für den Kampf motivieren und ihm die Angst vor dem Tod nehmen. Aber man kann die scharfen Worte auch symbolisch verstehen – für eine Cup-Kampagne, die eigentlich tot war und nun doch lebt. „Es ist ein kleines Wunder, dass Neuseeland dabei ist“, sagt Grant Dalton. Der kleine, durchtrainierte Mann mit den markanten Gesichtzügen ist der Teamchef des Emirates Team New Zealand, das – wie alle anderen Teams – auch gestern wegen des fehlenden Windes unfreiwillig pausieren musste.

2003 lag das Team New Zealand und damit ein ganzes Land am Boden der Verzweiflung. Die Schweizer von Alinghi hatten den Cup nach einem 5:0-Sieg erstmals in seiner 156-jährigen Geschichte nach Europa geholt. Und das auch noch mit Russel Coutts und Brad Butterworth, dem neuseeländischen Traum-Duo, das die Silberkanne 1995 und 2000 für Neuseeland gewann. Die Bilder vom dritten Final-Rennen gegen Alinghi, als den Gastgebern der Mast brach, liefen immer wieder im neuseeländischen Fernsehen und brannten sich als Symbol der Schmach in das kollektive Gedächtnis ein. In dieser Depression kam Dalton, ein hoch dekorierter Off-Shore-Segler und Extremsportler. Er ist sieben Mal um die Welt gesegelt, einmal in einer Rekordzeit von 62 Tagen. Er gilt als harter Hund, der schon häufig in den Abgrund des Todes blickte. Er weiß, wie man hochkommt, wenn man gefallen ist. Außerdem hat er eine immense Erfahrung als Manager und Geldbeschaffer, schließlich musste er auch das als Weltumsegler können: seine Projekte finanzieren. Ihm gelang es, wenn auch spät, mit der Fluggesellschaft „Emirates“ erstmals arabisches Geld in den Cup zu holen.

Schon nach seiner Berufung im Mai 2003, zwei Monate nach der Niederlage, sagte der Kämpfer: „Es ist möglich, wir müssen daran glauben und sehr hart arbeiten.“ Das tat er und räumte erst einmal im Team auf. Er entzog den Designern die Kontrolle. Er feuerte sogar Tom Schnackenberg, der immerhin als Legende gilt. Dann ordnete er klare Hierarchien an und konzentrierte die Arbeit nicht auf abenteuerliche Design-Spielchen, sondern auf das, was die Neuseeländer am Besten können: das Segeln. Dalton setzte sein ganzes Vertrauen auf den jungen Steuermann Dean Barker, der 2003 im Finale schmerzhaftes Lehrgeld gegen seinen einstigen Meister Coutts zahlen musste. Außerdem holte er den Spitzen-Match-Racer Ben Ainslie als zweiten Steuermann an Bord. Der Engländer brachte das nötige Feuer in die Inhouse-Regatten. All das zahlte sich aus. Die Neuseeländer schwangen sich in den Acts zur stärksten Mannschaft auf. Sie sind auch die Einzigen, die mit 6:4-Siegen eine positive Bilanz gegen Alinghi aufweisen. Im Louis-Vuitton-Cup gelten sie als Favoriten auf den Sieg, auch wenn sie im ersten Rennen überraschend gegen die Italiener von Mascalzone Latino verloren. Stratege Ray Davies war deswegen nicht glücklich, aber er erklärte, dass man mit der Bootsgeschwindigkeit sehr zufrieden sei. Und was hatte Ainslie vor einer Woche so angriffslustig gesagt? „Keine Sorge. Wir werden noch viel stärker.“

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