Sport : Der Guru muss es richten

Trainer Phil Jackson soll die L.A. Lakers retten.

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Berlin - Wenn es nach den Fans der Los Angeles Lakers geht, kann das Management des NBA-Teams die Suche nach einem neuen Trainer gleich wieder einstellen. „We want Phil!“, skandierten die Zuschauer am Freitagabend beim 101:77-Sieg der Lakers über die Golden State Warriors. Die lila-gelbe Fangemeinde verlangte laut und deutlich, dass Phil Jackson als Trainer nach L.A. zurückkehrt. Wenige Stunden zuvor hatten die Lakers nach nur fünf Saisonspielen Coach Mike Brown entlassen und die NBA mit dieser Entscheidung erschüttert.

Nach den spektakulären Verpflichtungen von Center Dwight Howard und Aufbauspieler Steve Nash waren die Lakers eigentlich als Titelfavorit gehandelt worden, nach einer Saisonvorbereitung ohne einen einzigen Sieg und vier Niederlagen in fünf Pflichtspielen war die Geduld der Klubführung aufgebraucht. „Das Team hat nicht die Siege geholt, die wir erwarten haben“, begründete Lakers-Geschäftsführer Mitch Kupchak die Entlassung. „Und wir haben keine Fortschritte gesehen.“ Der 42 Jahre alte Brown wollte in seiner zweiten Saison als Cheftrainer in L.A. ein völlig neues Offensivsystem einführen, viele Verletzungen seiner wichtigsten Spieler verhinderten aber, dass er es umsetzen konnte. Superstar Kobe Bryant sprach sich zwar öffentlich für Brown aus. Bei der 86:95-Niederlage in Utah am Mittwochabend fingen die Fernsehkameras aber ein, wie der hyper-ehrgeizige Bryant seinen Coach in einer Auszeit mit einer Mischung aus Frustration, Unverständnis und Abscheu anstarrte.

Nun könnte also Jackson die Lakers zum dritten Mal übernehmen. Der 67-Jährige mit dem Faible für asiatische Philosophie ist mit elf Meisterringen der erfolgreichste Trainer der NBA-Geschichte, nach sechs Titeln mit Michael Jordan und Chicago gewann er fünf weitere Meisterschaften mit den Lakers, bevor er sich 2011 zur Ruhe setzte. Auch Kupchak musste zugeben, es wäre „fahrlässig“, nicht über Jackson nachzudenken. Und Lakers-Legende Magic Johnson forderte: „Jetzt müssen sich die Lakers an Phil Jackson wenden.“

Allerdings leisten sich die Kalifornier bereits den teuersten Kader der NBA, die Gehaltsvorstellungen des Trainer-Gurus dürften „im Bereich des Bruttosozialprodukts eines kleineren Karibikstaats“ liegen, wie der Fernsehexperte Dave Aldridge bemerkte. In seiner letzten Saison bei den Lakers hatte Jackson zehn Millionen US-Dollar verdient, diese Summe könnte sich angesichts der prekären Lage des Klubs nahezu verdoppeln. Die Lakers können nicht auf den Erfolg warten: Bis auf Howard, der aber nur einen Einjahresvertrag besitzt, sind die wichtigsten Profis im Kader stark in die Jahre gekommen.

Als größter Konkurrent für Jackson wird neben dessen ehemaligem Co-Trainer Brian Shaw der 61-jährige Mike D’Antoni gehandelt. D’Antoni verbindet mit Lakers-Hoffnungsträger Steve Nash eine langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit in Phoenix, Kobe Bryant kennt er von seinem Nebenjob als Assistenzcoach beim US-Nationalteam. Zudem war D’Antoni als Spieler von Olimpia Mailand das Idol des in Italien aufgewachsenen Bryant.

Die ganze NBA spekuliert nun, für wen sich ihr prominentester Klub entscheiden wird. Klar ist nur: Interimstrainer Bernie Bickerstaff, der die Lakers gegen Golden State zum Sieg führte, wird es nicht sein. Bickerstaff selbst nahm den Rummel am Freitag mit Humor. Auf die Sprechchöre der Fans angesprochen, fragte der 68-Jährige nur: „Wer ist Phil?“Lars Spannagel

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