Sport : Der Heißsporn unterm guten Stern

-

Hartmut Moheit über Montoyas Wechsel zu Mercedes

Wer holt sich schon selbst gern den Ärger ins Haus? Niemand, es sei denn, der Nutzen ist größer als der Schaden. So hat man wohl bei McLarenMercedes gedacht, als es um die Verpflichtung von Juan Pablo Montoya ging. Es hätte andere Möglichkeiten gegeben, den zuletzt eher blassen, mehr und mehr erfolglosen Schotten David Coulthard vom Jahr 2005 an zu ersetzen. Zwar wurden auch immer wieder Stimmen laut, die für die urdeutsche Automarke Mercedes auch einen deutschen Fahrer forderten, aber eine solche Strategie war für die Stuttgarter noch nie maßgebend.

Bei Mercedes wird in anderen Dimensionen gedacht. Wenn es darum geht, den Autos mit dem Stern ein junges, freches und dynamisches Image zu geben, kommen nur wenige Fahrer als Symbolfiguren infrage. Wenn mit dem neuen Fahrer auch noch das Erschließen neuer Absatzmärkte einhergehen soll, reduziert sich der Kreis der Kandidaten auf ein halbes Dutzend, wenn überhaupt. Michael Schumacher hat Ferrari ewige Treue geschworen und ist schon deshalb kein Thema. Zudem ist er mit nunmehr sechs WM-Titeln der Sättigungsgrenze denkbar nahe. Auch Bruder Ralf, der bei BMW-Williams Siege einfahren konnte, aber noch häufiger enttäuschte, entspricht nicht dem Anforderungsprofil der Silberpfeile.

Es musste ein Fahrer gefunden werden, der als Pendant zum extrem schnellen, aber in der Öffentlichkeit sehr farblosen Finnen Kimi Räikkönen taugt. Da blieb nur noch Juan Pablo Montoya übrig. Der 28-Jährige erfüllt sportlich alle Anforderungen eines Stars, und durch sein stets charismatisches Auftreten zieht er auch die Aufmerksamkeit der Medien auf sich. Der kanadische Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve, der momentan noch arbeitslos ist und sich selbst bei McLaren-Mercedes angeboten hatte, ist ein ähnlicher Typ, aber einer mit geringerer Halbwertzeit. Im zugegeben schwachen BAR-Boliden hat Villeneuve zuletzt den Nachweis seiner Klasse nicht mehr erbringen können.

Vieles spricht für Montoya, gegen ihn nur sein typisch südamerikanischer Stil. Der Kolumbianer ist ein Heißsporn, und das nicht nur in positiver Hinsicht. Daran wird sich auch im gediegenen Haus Mercedes nichts ändern. Wenn er aber wirklich das Zeug zum Champion hat, wird sich niemand daran stören.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben