Sport : Der Ire – mit einem R

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Benedikt Voigt über den ProzessStart gegen den Pistenläufer von Silverstone

Die Welt versteht den Iren Cornelius Horan aus Kerry schon länger nicht mehr. Das begann 1995, als die katholische Kirche den Priester ausschloss, weil er unter den Einfluss einer Sekte geraten war. Er hatte Gedankengut gepredigt, das mit der katholischen Lehre nicht übereinstimmte. Später wurden seine Auftritte immer sonderbarer. „Man muss das tun, wofür man Talent hat und womit man die Leute unterhalten kann“, sagt Cornelius Horan. Er trägt am liebsten eine rot-braune Perücke, einen Schottenrock und einen Davidstern an seiner Kleidung. Vor einem Jahr schrieb er einen Brief an den Diktator Saddam Hussein. Er wolle für ihn und seine Familie einen Friedenstanz in einem traditionellen irischen Kostüm aufführen. Saddam Hussein hat ihn wohl nicht verstanden. Aus der Aufführung wurde nichts.

Dafür tanzte Cornelius Horan während des Irak-Krieges vor dem House of Commons in London. Im Rahmen seiner Anti- Kriegs-Kampagne erhielt er zwar einen Brief von Premierminister Tony Blair, doch den Krieg konnte er nicht stoppen. Dafür bremste der Ire – mit einem R – vor mehr als einer Woche das Formel-1-Rennen von Silverstone. In der zwölften Runde rannte er im Schottenrock während des Rennens auf die Fahrbahn und hielt den vorübersausenden Rennfahrern Plakate vor die Nase: „Lest die Bibel“ und „Die Bibel hat immer Recht“. Er habe ein offenes Tor gesehen, erklärt sein Anwalt, und er hätte dies genutzt, um seine Botschaften unters Volk zu bringen. Formel-1-Fahrer Jenson Button, der mit 296 km/h an Horan vorbeischoss, sagt: „Man darf gar nicht darüber nachdenken, was passiert wäre, wenn er überfahren worden wäre – er wäre nicht der Einzige, der dabei getötet worden wäre.“

Am Montag begann in Northampton das Gerichtsverfahren gegen den Pistenläufer von Silverstone. Es wurde sofort vertagt, weil das Gericht noch den Bericht eines Psychiaters abwartet. Es ist der nächste Versuch, Cornelius Horan zu verstehen.

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