Sport : Der Kanalarbeiter

Der Rennrodler Georg Hackl startet an diesem Wochenende in seine letzte Weltcupsaison

Benedikt Voigt

Berlin - Unlängst hat Georg Hackl einen treffenden Vergleich für sein Befinden gefunden. Der Rennrodler wird von einem entzündeten Nerv in seiner linken Schulter geplagt, weshalb er sagte: „Mir geht es wie der SPD – ich habe auch Probleme mit meinem linken Flügel.“ Inzwischen aber ist die SPD auf dem Weg der Besserung, wie der Parteitag in dieser Woche bewiesen hat. Und, das ist das Beste an diesem Vergleich: Mit Georg Hackls linkem Flügel verhält es sich ebenso.

Der 39-Jährige wird an diesem Wochenende in seine letzte Weltcup-Saison starten. Eigentlich kommen Wettkampffahrten immer noch zu früh für ihn, dem linken Arm fehlt bei der Startphase weiterhin Kraft. „Er ist momentan bei 70 Prozent seiner Wettkampfform“, sagt Bundestrainer Thomas Schwab. Doch es gibt einen besonderen Grund für diesen überstürzten Start: Die Rodelbahn in Cesana.

Auf dieser Strecke werden in knapp drei Monaten die Rodel-Medaillen bei den Olympischen Winterspielen von Turin 2006 vergeben. Dort seine Sammlung um ein Stück zu ergänzen, ist das letzte sportliche Ziel des Georg Hackl, genannt der Hackl Schorsch. Seit 1988 hat er von allen Winterspielen eine olympische Medaille in sein Heim nach Berchtesgaden-Engedey mitgebracht: Dreimal Gold, zweimal Silber. Daran soll sich auch bei seiner letzten Olympiateilnahme in Turin nichts ändern. „Der Hackl Schorsch fährt nicht zu Olympischen Spielen, um dort einfach nur mitzufahren“, sagt der Bundestrainer.

Doch um ein gutes Gefühl für eine Bahn zu bekommen, muss ein Rodler rund 60 bis 70 Fahrten auf ihr absolviert haben. „Wir haben hier bis jetzt 13 oder 14 gemacht“, sagt Schwab. Ein Grund mehr, seinen prominentesten Rodler für das Weltcuprennen am Wochenende anzumelden. „Das sind einfach ein paar Trainingsfahrten auf der Olympiabahn mehr, das ist das Entscheidende“, sagte der Bundestrainer.

Bis zuletzt durfte im Eiskanal von Cesana nicht trainiert werden, da sie im Sommer noch einmal umgebaut werden musste. Bei Testfahrten zu Jahresbeginn sind die Rodler reihenweise umgekippt, weshalb sogar das Weltcuprennen abgesagt werden musste. An einem Trainingstag mussten die Krankenwagen mehrmals zur Rodelstrecke fahren und gestürzte Rodler ins Krankenhaus einliefern. Inzwischen sind die schlimmsten Gefahrenstellen beseitigt worden, doch von einer leichten Strecke kann weiterhin nicht die Rede sein. Zuletzt stürzte die deutsche Weltcupsiegerin Barbara Niedernhuber und zog sich eine Rippenprellung zu. „Die Bahn stellt hohe Ansprüche und ist sehr selektiv“, sagt Georg Hackl, „einige werden sich bei wirklichen Rennbedingungen noch mal umschauen.“

Behält der Bundestrainer Recht, sind zwei Medaillen bei den Olympischen Spielen 2006 bereits vergeben. Eine an den Russen Albert Demtschenko, der das erste Weltcuprennen in Sigulda, Lettland, gewonnen hat und gegenwärtig in einer überragenden Form fährt. Und an Armin Zöggeler, der in Italien Heimvorteil genießt. „Der kann auf der Olympiabahn trainieren, wann er will“, sagt Thomas Schwab. Eine Medaille aber ist nach seiner Rechnung noch offen. „Und um die bewerben wir uns.“

Eine sechste Medaille würde den Ruhm des Georg Hackl in Deutschland weiter mehren. Dieser ist schon jetzt ungewöhnlich bekannt für jemanden, der einen Sport betreibt, den sonst nur Kinder im Winter ausüben. Doch seine zahlreichen Erfolge und das bayerische Naturell haben ihn über die Grenzen seiner Randsportart bekannt gemacht. Er war sich auch nicht zu schade, in der Fernsehsendung von Stefan Raab in einem Wok die Rodelbahn hinunter zu gleiten. Aus seiner politischen Gesinnung hat Georg Hackl nie einen Hehl gemacht. Für ein paar Jahre saß er für die CSU im Kreistag Berchtesgadener Land, seine Popularität hatte ihm bei der Wahl die zweitgrößte Stimmenzahl aller Kandidaten verschafft.

Mit seiner sechsten Olympiateilnahme würde er in die Dimension der Kanutin Birgit Fischer vorstoßen. Doch im Gegensatz zu der 43-Jährigen, die noch bis zu den Olympischen Spielen 2008 weitermachen will, weiß er genau, dass sein Karriereende nahe ist. Beim Trainerlehrgang in Köln liegt seit geraumer Zeit eine Anmeldung. Auf den Namen Georg Hackl.

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