Sport : Der Kleine, der ein Großer war

Debütant Philipp Lahm kann beim Länderspiel überzeugen

Hartmut Scherzer

Split. Natürlich hatte Philipp Lahm den Bonus, den ein Neuling in der Nationalmannschaft nun mal so hat. Aber trotzdem, am Abend von Split lobten sie den 20-jährigen gebürtigen Bayern vom VfB Stuttgart wohl nicht nur deshalb. Von Franz Beckenbauer bis Oliver Kahn, von Rudi Völler bis Dietmar Hamann: Es gab viele nette Worte zum Einstand des Philipp Lahm. „Ein tolles Debüt mit guten Aktionen nach vorn“, sagte Bundestrainer Völler. „Lahm hat mir sehr gut gefallen. Er ist so, wie halt ein Bayer sein muss“, sagte Bayern Münchens Präsident Beckenbauer. „Das war für Lahm keine einfache Sache gegen diese groß gewachsenen Kroaten. Er ist ja nicht der Größte, hat dieses Manko aber ganz gut wettgemacht“, sagte National-Torhüter Kahn. Und sein Nationalmannschaftskollege Hamann meinte: „Lahm hat hervorragend gespielt, so, als wäre er schon fünf Jahre dabei. Der wird uns noch viel Freude machen.“

Der so überschwänglich Gelobte überraschte dann allerdings mit der eigenen Einschätzung seiner Leistung. „Ich kann besser spielen, habe aber auch schon schlechter gespielt“, sagte Lahm. Deswegen sei sein Spiel „ganz in Ordnung“ gewesen. Lahm hatte auffällige Szenen, auch eine schlechte: Nach drei Minuten machte er einen Fehlpass. Doch nach einer Rettungstat auf der Linie schoss Lahm mit einem strammen Flachschuss aufs Tor der Kroaten alle eigene Nervosität weg. Beim Fehler von Kahn und dem Kopfball von Neretljak stand Philipp Lahm abermals auf der Linie, ohne erneut retten zu können. „Beim Tor hatte ich keine Chance. Der Ball war zu hoch. Ich bin nicht der Größte. Deswegen bin ich nicht hingekommen.“ Lahm erzählte es mit spitzbübischem Lachen.

Das Debütantentrikot mit der Nummer 21 wollte er eigentlich behalten. Aber dann hat Philipp Lahm es doch mit einem Gegenspieler getauscht. Ausgerechnet der Stürmer mit der Nummer 9, den er gefoult hatte und dessen Namen er nicht aussprechen könne, habe sein Trikot gewollt. Also Prso. „Er ist auf mich zugekommen. Gut, jetzt habe ich eben auch ein kroatisches Trikot in meiner Sammlung.“ Die Standardfrage an einen erfolgreichen Debütanten, der erst seit September 2003 in der Bundesliga spielt: Verändert sich jetzt sein Leben? „Wie sollte es“, antwortete Philipp Lahm. „Ich wohne weiterhin mit meiner Freundin zusammen. Meine Familie kommt weiterhin zu jedem Heimspiel. Ich fahre weiterhin gerne nach München zu meinen Freunden.“

Trotzdem, sieht er sich jetzt nicht als Kandidat für die Europameisterschaft? „Ich kann locker drauflosspielen. Wenn das nicht klappt, spiele ich eben bei der EM der U21. „Ich freue mich, dass ich alles so schnell geschafft habe. Aber ich bin erst zwanzig Jahre alt. Da kann es auch mal bergab gehen.“ Die Lobeshymnen von Beckenbauer oder Völler haben Philipp Lahm anscheinend nicht verwirrt.

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