Sport : Der letzte Kampf des Max Mosley

Der Fia-Präsident legt sich mit den Teams an

Karin Sturm

Magny-Cours – Am Donnerstag dürften einige Teamchefs in der Formel 1 aufgeatmet haben. Max Mosley, der natürliche Feind eines Rennstall-Leiters, hat für Oktober seinen Rücktritt als der Präsident des Motorsportweltverbandes Fia angekündigt. Als Grund nannte er „Amtsmüdigkeit“, die ewigen Auseinandersetzungen mit den Leitern der Rennställe habe er satt. Seit Jahren gibt es erbitterte Gefechte um jedes Detail, vor allem mit dem Boss von McLaren-Mercedes, Ron Dennis.

Das ist bald vorbei. Zum Abschluss aber holt Mosley noch einmal richtig aus: Seine radikalen Vorschläge zur Veränderung der Formel 1 stoßen vor allem bei den großen Teams wie McLaren und den Motorenherstellern auf Ablehnung. Mosley will den Hubraum der Motoren und damit ihre Leistung verringern, die Anzahl der Reifen pro Rennen reduzieren und die Aerodynamik ändern – alles schon in der nächsten Saison. Er argumentiert in Anbetracht der jüngsten schweren Unfälle mit Sicherheitsaspekten, in Wirklichkeit sollen die Änderungen zur Senkung der Kosten beitragen, die die kleinen Teams in den Ruin zu treiben drohen. Doch nicht diese Ziele an sich verärgern die Teamchefs, sondern der Weg dorthin und Mosleys Art der Präsentation.

Weil Mosley die Teamchefs, insbesondere Dennis, für „unvernünftig“ und „nicht gerade schnell denkende Detailfanatiker“ hält, setzte er ihnen sein Konzept nämlich vor, ohne es vorher mit ihnen besprochen zu haben. Dennis’ Reaktion auf diesen Affront war erwartbar: Einige von Mosleys großen Szenarien seien mit seinen „kleinen Details“ zu Fall zu bringen. „Man muss die Dinge auch zu Ende denken“, sagte Dennis. „Motoren, die zwei Rennen halten sollen, nur noch zwei Sätze Reifen pro Wochenende, dazu aber weiter die ausgiebigen Testmöglichkeiten – was bedeutet das dann in der Praxis? Dass am Freitag und Samstag eines Rennwochenendes kaum noch gefahren und die Show schlechter wird.“ Das könne nicht die Lösung sein.

Beim Duell Mosley gegen Dennis geht es aber schon lange nicht mehr um Lösungen. Seit Jahren stehen sich die beiden Kombattanten unversöhnlich gegenüber. Beobachter glauben, dass der aus der englischen Oberschicht stammende Max Mosley den früheren Mechaniker Ron Dennis einfach nicht als gleichrangig akzeptieren kann, auch wenn Dennis inzwischen sogar Ordensträger des Britischen Empire ist. So ist es nicht unwahrscheinlich, dass empfindliche Abstimmungsniederlagen gegen die Teamchefs unter Dennis’ Führung in der Vergangenheit einen großen Anteil an der Rücktrittsentscheidung Mosleys haben.

Ron Dennis wiederum ärgert besonders, dass „solche Leute wie Mosley uns, die wir letztlich das finanzielle Risiko tragen, ihre Entscheidungen aufzwingen“. Im Gegensatz zu Mosleys Bild von den angeblich unvernünftigen Teamchefs hält er eine Einigung in Sachen Kostenreduzierung für möglich, wenn auch nicht für einfach. „Es gibt gute Ansätze, richtige Wege“, sagt Dennis. „Wir sind viel konstruktiver, als behauptet wird.“

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