Sport : Der Libero glüht

Mit Frank Bachmann in der Abwehr will der SCC gegen Düren heute ins Volleyball-Finale einziehen

Karsten Doneck

Berlin - Schon die ersten Worte der E-Mail ließen Rückschlüsse auf den Absender zu. „Hallo Chef!“, las Kaweh Niroomand auf seinem Computer-Bildschirm. Diese flapsig-freundliche Anrede pflegt Nisse Huttunen regelmäßig zu benutzen bei seinen gar nicht mal seltenen Mitteilungen an den Manager des Volleyball-Bundesligisten SC Charlottenburg. Diesmal gratulierte Huttunen, der ehemalige SCC-Libero, zum 3:2-Sieg im ersten Play-off-Halbfinale bei Evivo Düren und wünschte alles Gute für das zweite Spiel heute (19 Uhr, Sömmeringhalle), in dem die Charlottenburger in der Serie „Best of three“ bereits das Endspiel erreichen könnten. Huttunens Part als Libero füllt beim SCC seit Saisonbeginn Frank Bachmann aus. „Es war nicht einfach, in Nisses Fußstapfen zu treten“, sagt der 29-jährige Bachmann.

Huttunen erfreute sich zu seiner Zeit beim SCC höchster Beliebtheit: bei den Fans und bei den Mitspielern. „Wer Libero spielen will, muss etwas krank sein“, hat Huttunen in seinen fünf Vertragsjahren beim SCC mal trocken festgestellt. Die Rolle des Liberos im Volleyball interpretierte der Finne, der 2001 als Außenangreifer vom SCC verpflichtet worden war, auf seine ureigene Art. „Da musst du die Pille super nach vorne bringen und in der Abwehr eine echte Bank sein. Das reicht“, sagte er. Als „nordisch ruhig und kühl“, schildert Niroomand die Wesenszüge Huttunens, er sei immer „sehr zielorientiert“ gewesen. Dennoch wurde Huttunens Vertrag am Ende der vorigen Saison nicht verlängert. Eine Maßnahme, die im nahen Umfeld des Vereins nicht nur Zustimmung fand.

Aber der SCC wollte unbedingt den Charakter seiner Mannschaft verändern: weg mit den stillen, braven Typen – her mit den unangepassten, den frechen Kerlen. Einen neuen Libero besorgte sich der Klub bei der SG Eltmann: Frank Bachmann gilt als temperamentvoller als Huttunen. „Der glüht regelrecht“, sagt Niroomand. Bachmann hat ein bisschen Anlaufzeit gebraucht, um sich durchzubeißen. Respekt verschaffte er sich durch tadellose Leistungen in den Bundesligaspielen, aber auch durch sein Auftreten neben dem Spielfeld. Es gab da Ende des vorigen Jahres das bittere Aus im Pokal-Halbfinale gegen den Moerser SC. Danach wurde beim SCC alles und jeder in Frage gestellt. Der Trainer sei zu nachgiebig, der Manager habe die falschen Spieler geholt, die Mannschaft sei eben keine Mannschaft. Mitten in diese depressive Phase hinein platzte Frank Bachmann. „Ich habe mich einfach danach noch mehr ins Training reingekniet und noch mehr gemacht, um den anderen ein Vorbild zu sein, um ihnen zu zeigen, nur so kommen wir voran“, sagt er. Und er suchte das Gespräch mit den jungen Spielern, gab ihnen Hilfestellung. Im neuen Jahr verlor der SCC nur noch zweimal, hat jetzt alle Chancen, über Düren das Endspiel um die deutsche Meisterschaft zu erreichen. Vom Sieg in Düren lässt sich Frank Bachmann aber keineswegs blenden. „Es geht am Mittwoch wieder bei Null los“, sagt er.

Über seinen Vorgänger Nisse Huttunen weiß Bachmann nur Gutes zu berichten. „Er ist einer der nettesten Menschen, die ich kenne.“ In Wuppertal haben beide mal eine Zeitlang zusammen gespielt, seitdem sind sie befreundet. Und so ganz ausgeschlossen ist nicht, dass der Volleyball die beiden noch einmal zusammenführen wird. „So einen wie den Nisse Huttunen könnte ich mir gut auch mal in einer verantwortungsvollen Position beim SCC vorstellen“, sagt Kaweh Niroomand, „der hat gute Drähte, der kennt den Sport.“

Heute gegen Evivo Düren wird Nisse Huttunen daheim im fernen Finnland erst einmal wieder die Daumen drücken für den SCC. Und danach vielleicht wieder Kontaktpflege zu seinem alten Klub betreiben: Hallo Chef...

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