Sport : Der Mann mit dem Staubsauger

Bei der Biathlon-Gaudi auf Schalke ist Topstar Björndalen wieder der Gejagte

Andreas Morbach[Gelsenkirchen]

Die fast schon traditionelle Absage kam diesmal aus dem oberbayerischen Mittenwald. „Auf Grund meiner Erkältung ist es mir nicht möglich, am Samstag auf Schalke an den Start zu gehen“, gab Martina Glagow am zweiten Weihnachtstag auf ihrer Internetseite bekannt und vertröstete ihre Fans auf den nächsten Biathlon-Weltcup Anfang Januar: „Ich hoffe, dass ich für Oberhof wieder fit bin. Sorry! Aber da kann man nichts machen.“ Nichts zu machen – und Herbert Fritzenwenger musste sich drei Tage vor der Veranstaltung rasch um eine Ersatzfrau für die Weltcup-Führende kümmern.

Aber der Chef-Organisator des alljährlichen Winter-Brimboriums mitten im Ruhrgebiet ist mit seinem eigenwilligen Kind namens „Biathlon auf Schalke“ schließlich Kummer gewöhnt. Vor drei Jahren drohte der für die Skijäger zuständige Weltverband (Ibu) allen Athleten, die es wagen sollten, bei der World Team Challenge in Gelsenkirchen zu starten, mit einer Sperre. Gesperrt wurde am Ende keiner, dafür durfte die Ibu im darauf folgenden Jahr die Werbebanden ihrer Sponsoren in der umfunktionierten Fußballarena aufstellen. Auch mit Männer-Bundestrainer Frank Ullrich gab es schon Ärger, weil der vor den Olympischen Spielen in Turin um Form und Gesundheit seiner Sportler fürchtete. Und kurzfristige Absagen von Stars wie Uschi Disl (2002), Martina Glagow (2003, 2007) oder Ricco Groß (2005) sind auf Schalke Bestandteil der Planungen.

Nicht wirklich eingeplant, aber trotzdem fixer Bestandteil der Schalker Winterfete ist inzwischen die Siegerehrung mit dem Norweger Ole Einar Björndalen als Hauptdarsteller. Der Star unter den Skijägern, der speziell das Zielschießen vor rund 50 000 Zuschauern als exzellentes Training für den beruflichen Ernstfall bei Olympia, Weltmeisterschaften oder Weltcups schätzen gelernt hat, war seit der Biathlon-Premiere auf Schalke im Jahr 2002 immer dabei, arbeitete sich in den Mixed-Staffeln mit wechselnden Partnerinnen jedes Mal tapfer durch den Kunstschnee und stand zuletzt vier Mal in Folge ganz oben auf dem Treppchen.

Kati Wilhelm, die wie Björndalen in Gelsenkirchen bisher immer dabei gewesen ist, spielt bei der Gaudi deshalb pflichtschuldig die Herausfordererin. Ein dritter Platz an der Seite von Ricco Groß war ihre bislang beste Platzierung, also sagt die dreimalige Olympiasiegerin nun: „Es wird höchste Zeit, dass wieder deutsche Teams aufs Podest fahren.“

Stress hat Kati Wilhelm aber nicht nur in der Loipe: Sie reist erst am Wettkampftag aus Thüringen an und ist am nächsten Morgen schon wieder weg. Doch wer weiß: Womöglich hat sie dann mit ihrem Mixed-Partner Michael Rösch Dauergewinner Björndalen (startet mit Landsmännin Tora Berger) zur Abwechslung ja tatsächlich einmal besiegt. Jenen Perfektionisten Björndalen, der wegen seiner Angst vor Bakterien stets mit eigenem Staubsauger reist. Das hat er sich von den Langläufern abgeschaut. Eine schräge Nummer, das gibt der 33-Jährige zu: „Wir Langläufer und Biathleten sind wohl ein bisschen krank im Kopf.“ Aber dafür ist Björndalen wenigstens nie erkältet.

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