Sport : Der Mann mit der Maske

Trotz Nasenbeinbruchs soll Fiedler in Aachen spielen

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Noch ist Christian Fiedler skeptisch. Der Torwart des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC soll am Samstag bei Alemannia Aachen spielen – trotz mehrfach gebrochenem Nasenbeins. Mit einer Maske. Gestern ließ Fiedler einen Abdruck seines Gesichts im Klinikum Emil von Behring anfertigen, heute will er sich die Schale aus Carbon abholen. „Dann muss ich erst einmal gucken, wie das so geht“, sagt Fiedler. Er habe Schwellungen im Gesicht, sein Sehvermögen sei aber nicht eingeschränkt.

Am Mittwochnachmittag war Fiedler im Training mit dem Stürmer Srdjan Lakic zusammengeprallt, dabei hatte er sich verletzt. Trainer Karsten Heine glaubt dennoch, dass Fiedler in Aachen zwischen den Pfosten stehen wird. „Die Hoffnung ist groß“, sagt er. Ein Ausfall des erfahrenen Fiedlers käme den Berlinern sehr ungelegen. Herthas zweiter Torwart Kevin Stuhr Ellegaard ist krank. Nico Pellatz wäre die Alternative. Der 20-jährige Pellatz hat noch kein Bundesligaspiel bestritten.

Karsten Heine sagt zwar, er würde Pellatz aufstellen, „ohne davon Zahnschmerzen zu bekommen“, weil der junge Torhüter in der Regionalliga gute Leistungen gebracht habe. 21 Spiele hat Pellatz in dieser Saison für Herthas zweite Mannschaft bestritten. Mit der Verteidigung der Profis ist er jedoch noch nicht eingespielt. Und in Aachen hätte Pellatz nicht viel Zeit, um sich an die Bundesliga zu gewöhnen. Hertha steckt noch immer im Abstiegskampf und braucht vor den Heimspielen gegen Werder Bremen und Bayer Leverkusen dringend ein Erfolgserlebnis, um den Klassenerhalt zu sichern.

Christian Fiedler will die Entscheidung über seinen Einsatz jedoch unabhängig von der schwierigen Lage seiner Mannschaft treffen. „Das ist nicht relevant. Ich würde auch versuchen zu spielen, wenn wir uns im gesicherten Mittelfeld befänden – das ist meine Berufsauffassung“, sagt der 32-Jährige. In der Vorbereitung auf die vergangene Saison hatte Fiedler sich eine schwere Ellenbogenverletzung zugezogen und war bereits sechs Wochen später überraschend wieder ins Training eingestiegen.

Es gibt in der Bundesliga wenig vergleichbare Fälle zu Christian Fiedler – sollte sich dieser zu einem Einsatz entschließen. Feldspieler laufen bei Verletzungen im Gesicht immer häufiger mit Masken auf. Bei Torhütern aber ist das bislang selten. Werder Bremens Torwart Andreas Reinke hatte sich im Februar 2006 mehrere Brüche im Gesicht zugezogen – später lief er in einem Testspiel mit Maske auf, ein Bundesligaspiel absolvierte er jedoch nicht mit dem Schutz.

Chelseas Torwart Petr Cech trägt seit seinem Schädelbruch im Oktober des vergangenen Jahres einen Helm, der ihn nicht mehr beeinträchtigt. Aber Cech musste sich erst einmal an den Schutz gewöhnen – Fiedler hätte nur den heutigen Freitag Zeit, um mit seiner Maske zurechtzukommen. Der Basketball-Profi Richard Hamilton aus den USA hat sich mehr als nur an seine Maske gewöhnt, nachdem er sich die Nase gebrochen hatte. Der Aufbauspieler der Detroit Pistons spielt noch immer mit dem Schutz, obwohl seine Verletzung längst ausgeheilt ist. Sie gibt ihm Sicherheit. Doch Christian Fiedler ist noch skeptisch.

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