Sport : Der Mensch lenkt

Bei der Rallye Dakar müssen die Fahrer wieder mehr selbst navigieren – gewinnen können in Südamerika trotzdem nur die bekannten Namen

Stefanie Szlapka[Buenos Aires]
Abfahrtsrennen. Der Südafrikaner Giniel de Villiers fand vor zwei Jahren in der Wüste den schnellsten Weg zum Ziel und gehört auch diesmal wieder zu den Favoriten. Foto: p-a/dpa
Abfahrtsrennen. Der Südafrikaner Giniel de Villiers fand vor zwei Jahren in der Wüste den schnellsten Weg zum Ziel und gehört auch...Foto: picture alliance / dpa

Wenn es bei Giniel de Villiers Vorfreude gab auf die Rallye Dakar, dann hat er sie wirklich gut verborgen. „Es wird richtig hart für uns“, sagt der Sieger der Dakar 2009. „Besonders die zweite Woche wird es in sich haben, weil die Etappen sehr lang sind.“ Für seinen Respekt vor der 9500 Kilometer langen Rallye durch Argentinien und Chile, die am Neujahrstag mit dem Prolog von Buenos Aires nach Victoria begann, gibt es unter anderem diesen Grund: Der französische Veranstalter ASO hat die Navigation erschwert.

Der Faktor Mensch wird dadurch wieder wichtiger bei diesem Rennen der Maschinen. Das ist der eine Antrieb für die Änderung. Zum anderen soll die Geschwindigkeit der Rallye gedrosselt werden. Das Durchschnittstempo war immer höher geworden, weil die starken Teams große Sprünge in der Entwicklung gemacht hatten – und mit dem Tempo stieg auch die Unfallgefahr. „Wir müssen uns noch mehr konzentrieren“, sagt der Berliner Timo Gottschalk, Kopilot von Nasser Al Attiyah. „Wir bleiben länger im Ungewissen, und das macht es natürlich anspruchsvoller.“

Trotz der Maßnahmen hat sich die Favoritenliste in der Auto-Wertung kaum verändert, insgesamt fünf Piloten wird eine Chance auf dem Gesamtsieg eingeräumt, vier davon fahren für Volkswagen Motorsport: Der Südafrikaner Giniel de Villiers, der Spanier Carlos Sainz, der Katarer Nasser Al Attiyah und der US-Amerikaner Mark Miller. Nach den Erfolgen 2009 durch de Villiers mit seinem deutschen Kopiloten Dirk von Zitzewitz und 2010 durch Sainz will VW bei dieser Dakar den Hattrick einfahren.

Den vier Race-Touareg-Piloten tritt ein Mann entgegen: Stéphane Peterhansel aus dem deutschen BMW X-Raid-Team. Der Franzose ist mit neun Dakarsiegen (sechs auf dem Motorrad und drei im Auto) der erfolgreichste Pilot. „Stéphane bildet klar unsere Speedspitze“, sagt X-Raid-Teamchef Sven Quandt. Sein Team schickt neben sechs BMW X3 auch eine Offroad-Rallye-Version des Mini Countryman ins Rennen, den Mini All4Racing.

Die ASO, welche die Rallye Dakar organisiert, konnte schon vor zwei Monaten gute Nachrichten verbreiten: Die Teilnehmerzahl stieg im Vergleich zum vergangenen Jahr. Das liegt vor allem an den südamerikanischen Piloten, die etwa ein Drittel des Fahrerfeldes ausmachen. 407 Teilnehmer wurden zugelassen, sie wollen nun die 13 Etappen meistern. Auch die Zuschauer nehmen die Rallye gut an und stürmen das „Dakar Village“ in Buenos Aires, in dem sich die Sponsoren und Teilnehmer präsentieren. Auch im argentinischen Fernsehen kann man sich der Rallye kaum entziehen.

Trotz der guten Zahlen steht die Zukunft der Rallye Dakar noch nicht fest. Bei den Planungen der Route für 2011 besuchten die Organisatoren auch die angrenzenden Länder Paraguay, Brasilien und Peru. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass die Dakar Südamerika wieder verlässt. „Wir haben mit Verantwortlichen in Saudi-Arabien Kontakt aufgenommen“, berichtet Dakar-Direktor Etienne Lavigne. „Doch es handelt sich nur um erste Gespräche.“ Ende Februar will die ASO jedoch schon ihre Pläne für 2012 bekannt geben. Auch bei VW ist die Zukunft des Dakar-Projekts noch nicht geklärt. Der Veranstaltungsort und ein stabiles Reglement sind die wichtigsten Entscheidungsfaktoren. „Eine definitive Aussage wird es nicht vor Ende Februar, Anfang März geben“, sagt VW Motorsportchef Kris Nissen. Erst einmal will er sich anschauen, ob seine Firma zum dritten Mal hintereinander die Rallye gewinnt.

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