Sport : Der Misserfolg im Erfolg

Stefan Hermanns

über den Wankelmut von Hertha BSC Relativität ist schon eine feine Sache. Was eigentlich nicht besonders toll ist, kann relativ gut sein – es kommt nur auf den Vergleichswert an. Hertha BSC jedenfalls befindet sich im Moment in einer relativ günstigen Relation. Denn im Vergleich zur katastrophalen Vorsaison steht der Berliner Fußball-Bundesligist relativ gut da: Vor einem Jahr hatte Hertha zum gleichen Zeitpunkt erst zwei Spiele gewonnen, in diesem Jahr sind es bereits doppelt so viele. 25 Gegentore hatte die Wackelabwehr in 13 Spielen kassiert, jetzt sind es gerade zwölf, also weniger als die Hälfte. Und für die 18 Punkte, die Hertha bisher gewonnen hat, hat die Mannschaft in der Vorsaison 20 Spiele gebraucht. Das alles sind relativ gute Werte. Absolut gesehen reichen sie zu Platz zehn in der Liga, oder wie Spieler Andreas Neuendorf sagt: „Wir sind Mittelmaß.“

Man könnte auch sagen: gesundes Mittelmaß. Durch die vergangene Saison hat sich der Verein in eine Situation gebracht, in der er Erfolge wieder zu schätzen weiß und nicht einfach als selbstverständlich hinnimmt. Ja, die Mannschaft kann auch gegen Schalke gewinnen – wenn sie an ihre Leistungsgrenze geht. Aber ein bisschen steckt das alte Berlin-Gefühl eben immer noch in der Mannschaft, dieses „Wir sind sowieso die Besten“. Deshalb folgen einem überzeugenden Sieg gegen Leverkusen zwei deprimierende Niederlagen gegen Bielefeld und Dortmund. Im Erfolg scheint bei Hertha immer schon der Misserfolg angelegt zu sein.

Das nächste Spiel ist übrigens wieder ein ganz leichtes. Am Samstag kommt Hansa Rostock ins Olympiastadion. Der Tabellenletzte.

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