Sport : Der moderne Guido Buchwald

Zwei Kreuzbandrisse warfen Manuel Friedrich zurück – jetzt ist er auf dem Weg nach oben

Daniel Meuren

Mainz. Am vergangenen Wochenende hat die Karriere von Manuel Friedrich noch einmal von vorne angefangen. Er köpfte das 1:2-Anschlusstor für den FSV Mainz 05 gegen Alemannia Aachen. Die Aachener sind ein harter Konkurrent der Mainzer im Kampf um den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga. Mainz gewann am Ende 3:2, und vielleicht war dies auch der Beginn des endgültigen Durchbruchs von Manuel Friedrich.

Denn Friedrich steht von seinem Talent her in der Ahnenreihe großer deutscher Abwehrspieler. Er könnte so etwas wie der moderne Guido Buchwald werden, weil er so kopfballstark ist, so robust, aber auch so beweglich. Doch bisher hatte er keine Chance, sein Talent einzulösen. Hinter Friedrich liegen nämlich eineinhalb schmerzhafte Jahre. Nach einer grandiosen Zweitligasaison, in der er acht Tore erzielte, war Friedrich im Sommer 2002 für 2,5 Millionen Euro Ablöse von Mainz 05 zu Werder Bremen gewechselt. Gerade einmal acht Minuten stand der damals 22-Jährige im ersten Vorbereitungsspiel für Werder auf dem Platz, als ihm das Kreuzband riss. Nach sechs Monaten Pause begann er wieder mit dem Mannschaftstraining – und riss sich zum zweiten Mal das Kreuzband. Die gesamte Saison war für ihn gelaufen.

So viel Talent ihm auch bescheinigt wurde, er schaffte nach der langen Verletzungspause nicht den Sprung in die Stammformation von Werder. Zu gut funktionierte das Spiel der Bremer, und zu viel Zeit hatte Friedrich verloren. Nur sieben Minuten durfte er beim 4:1 gegen Schalke 04 spielen, sonst wurde er meist für die Regionalligamannschaft abgestellt. „Ich habe oft mit unserem Manager Klaus Allofs darüber gesprochen, wie schlecht ich mich fühle, weil ich ja schließlich eine Stange Geld gekostet habe.“ Also entschied er sich in der Winterpause gegen die Chance, sich im Sommer als Deutscher Meister feiern zu lassen. Stattdessen wagte Friedrich einen Schritt zurück, um wieder nach vorn zu kommen. Der 1,89 Meter große Stopper verließ Bremen für ein halbes Jahr auf Leihbasis, um an alter Wirkungsstätte wieder Selbstvertrauen zu sammeln. „Ich brauchte dieses Gefühl, Verantwortung übernehmen zu können und wirklich gebraucht zu werden. Dadurch habe ich wieder Freude am Fußball.“

Für den Spaß am Spiel verzichtet der 24 Jahre alte Friedrich auf viel Geld. Denn Mainz 05 kann seinem Rückkehrer nur etwa die Hälfte seines Bremer Gehalts zahlen. Für Friedrich ist das zweitrangig. „Ich will das umsetzen, was ich in Bremen von den Kollegen gelernt habe“, sagt er. Das hat er gleich getan mit seinem Anschlusstreffer im Verfolgerduell mit Aachen, mit dem Friedrich die Wende einleitete. Er steht mit den Mainzern im Moment auf Platz vier. Nachdem die Mainzer zweimal erst in letzter Minute am Aufstieg gescheitert waren, soll es in diesem Jahr klappen. „Wir haben da noch was nachzuholen“, sagt Friedrich.

Bei der Verwirklichung dieses Ziels spielt Friedrich eine zentrale Rolle. Der Mainzer Defensive soll er als Abwehrchef Sicherheit, dem Spielaufbau Ordnung und der Offensive bei Standardsituationen mehr Torgefahr geben. Diese Vielseitigkeit, auf die die Bremer wahrscheinlich in der kommenden Saison in der Bundesliga und der Champions League wieder zurückgreifen wollen, denn der Vertrag läuft bis 2006, verdankt Friedrich einer ungewöhnlich breiten sportlichen Ausbildung. Friedrich war in der Jugend in anderen Sportarten durchweg erfolgreicher als im Fußball. Im Fußball saß er oft nur auf der Bank, er war ein Spätstarter. Im Turnen dagegen wurde er Gaumeister, im Tischtennis Bezirksmeister und als Volleyballspieler schaffte er den Sprung in die Rheinland-Auswahl. Trotz seiner Größe ist Friedrich schnell und wendig. Vor allem sein Kopfballspiel ist herausragend.

Die sportliche Vielseitigkeit hat Manuel Friedrich wohl auch während seiner Leidenszeit geholfen, wieder fit zu werden. Vor allem könnte sie ihm noch zu einer großen Karriere verhelfen. Wenn es sein Körper zulässt, könnte er sogar den Sprung in die Nationalmannschaft schaffen. Dann hätte Teamchef Rudi Völler neben dem Berliner Arne Friedrich noch einen weiteren Friedrich in seiner Abwehr.

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