Sport : Der Mutmacher

Hannover 96 verpflichtet Trainer Ewald Lienen bis 2005

Morten Holm

Hannover. Plötzlich war die Nummer drei, vier oder fünf doch der ewige Wunschkandidat. So hörte es sich zumindest an, wenn man Martin Kind, den Vorstandsvorsitzenden des Fußball-Bundesligisten Hannover 96, gestern Nachmittag in einem Hotel am Maschsee reden hörte. „Er kennt unsere Mannschaft aus der Liga, und er hat im Kampf um den Klassenverbleib mit Mönchengladbach schon Erfolg gehabt“, sagte Kind. Er – das ist Ewald Lienen, der neue Trainer von Hannover 96, der Nachfolger des am Sonntag entlassenen Ralf Rangnick. Lienen, zuletzt bei Borussia Mönchengladbach an der Linie, revanchierte sich für das verbale Vertrauen des neuen Chefs und versprach das, was die Verantwortlichen der „Roten“ unbedingt hören wollten: „Die Mannschaft hat das Potenzial, die Klasse zu halten.“

Was sollte Ewald Lienen auch anderes sagen als Mutmachendes? Er habe unbedingt zurück in die Bundesliga gewollt, erklärte er am Dienstagnachmittag bei seiner Vorstellung. Es sei gleichermaßen Ehre und Herausforderung, den Job anzunehmen, auch wenn er nicht restlos glücklich mit der Situation sei: „Es wäre besser gewesen, vor Beginn einer Saison den Posten zu übernehmen, als jetzt die Karre aus dem Dreck zu ziehen.“

Lienen erhält bei Hannover 96 einen Vertrag bis 2005. Der 50 Jahre alte Westfale bringt seinen Assistenten gleich mit. Es ist der ehemalige Nationalspieler Michael Frontzeck. Frontzeck war schon bei Borussia Mönchengladbach Kotrainer gewesen. Bei seinem Stammverein als Spieler hatte sich Lienen nur ein halbes Jahr gehalten, die Borussen zwar zunächst vor dem Abstieg gerettet, war dann aber im September 2003 nach schleichendem Ansehensverlust in der Mannschaft entlassen worden. Pikanterweise nach einer Niederlage in Hannover.

Der Kreis der Kandidaten war zuletzt immer kleiner geworden. Der Favorit Erik Gerets – mit ihm habe es nur ein Telefongespräch gegeben, so Kind – sowie Huub Stevens wollten nicht. Und der favorisierte Friedhelm Funkel handelte selbst nach den wenig kleinlichen Maßstäben von Hannover 96 unmoralisch, als er sich beim DSF-Stammtisch am Sonntagmorgen als neuer Trainer anbot. Das war rund zwei Stunden vor der Pressekonferenz, in der Kind die Trennung von Ralf Rangnick bekannt gab. Funkel war ausgeschieden, nicht zuletzt deswegen, weil er bei den Fans einen schweren Stand gehabt hätte. Zu ihm nahm Hannover 96 keinen Kontakt mehr auf.

So verhandelte der abstiegsbedrohte Klub am Montagabend abermals mit Ewald Lienen. Kind hatte schon am vergangenen Mittwoch am Firmensitz von „Kind Hörgeräte“ in Großburgwedel ein „Kennenlerngespräch“ mit Lienen geführt. Sein Vorgänger Rangnick, der noch einen Vertrag bis 2005 besitzt, muss abgefunden werden. Das gilt auch für Kotrainer Mirko Slomka. Noch im Januar 2004 hatten Kind und Rangnick eine beiderseitige Ausstiegsklausel aus Rangnicks Vertrag getilgt. Doch spätestens das 1:3 gegen Hertha BSC vor neun Tagen ließ Kind mit der Suche nach einem Nachfolger beginnen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben