• Der nächste Verdächtige heißt Klöden Sinkewitz soll den Radprofi belastet haben

Sport : Der nächste Verdächtige heißt Klöden Sinkewitz soll den Radprofi belastet haben

Mathias Klappenbach

Berlin - Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Allein dieser Umstand gilt im Radsport derzeit schon als erfreulich, denn gute Nachrichten sind rar geworden. Zuerst aber die schlechte Nachricht: Auch Andreas Klöden und Matthias Kessler sollen 2006 im Team T-Mobile Blutdoping betrieben haben. Der geständige Doper Patrik Sinkewitz hat in einer Zeugenaussage vor dem Bundeskriminalamt angeblich Andreas Klöden belastet. Das meldet die „Süddeutsche Zeitung“. Nach dem Bericht hat Sinkewitz ausgesagt, dass seine damaligen Teamkollegen Klöden und Kessler im sogenannten Rhein-Main-Konvoi dabei gewesen seien, als Sinkewitz während der Tour de France 2006 zum Blutdoping in die Uniklinik Freiburg fuhr. Ein Sprecher der Freiburger Staatsanwaltschaft wollte dies „weder dementieren noch bestätigen“, sagte aber, dass Sinkewitz „Namen genannt und Details zur Sache geliefert“ habe. Seine Behörde will nun bis Freitag Sinkewitz’ frühere Freundin und weitere Radrennfahrer vernehmen.

Andreas Klöden hat es immer abgelehnt, sich überhaupt zu Doping zu äußern, und wenn er es auf hartnäckige Nachfragen dann doch einmal tat, brachte er seine vehemente Ablehnung zum Ausdruck. Inzwischen fährt der ehemalige Zweite der Tour de France für das Team Astana, das eine ganze Reihe von Dopingfällen hinter sich hat. Mit dem verdächtigten Tour-Sieger Alberto Contador und dem Teamchef Johan Bruyneel, der früher für die Mannschaft von Lance Armstrong verantwortlich war, erweckt der Rennstall nicht gerade Vertrauen.

Die ASO, Veranstalter der Tour de France, hat das Team Astana von der Tour ausgeladen. Die Tour-Verantwortlichen haben sich zu dieser symbolischen Imageaktion allein aufgrund von Verdachtsmomenten und der Vergangenheit entschlossen. Das ist eine neue Vorgehensweise und widerspricht der häufig kritisierten Politik des Weltverbandes UCI. Auch vom ersten wichtigen Rennen der Saison, der Fernfahrt Paris–Nizza, wurde Astana ausgeschlossen.

Und in diesem Satz steckt auch schon die gute Nachricht für den Radsport: Immerhin wird Paris–Nizza heute tatsächlich mit den besten Profiteams starten – die quasi teilnehmen müssen, um nicht den wirtschaftlich verheerenden Ausschluss von der Tour zu riskieren. Für den Weltverband ist das Rennen „illegal“, weil es die ASO, die mit der UCI seit Jahren um die Macht im Weltradsport ringt, außerhalb von dessen Regularien in Eigenregie und Zusammenarbeit mit dem französischen Verband austrägt. Inklusive eigener Dopingkontrollen. Die UCI droht den Fahrern, die heute in Paris starten, mit Sperren für Olympia, die WM und andere Rennen. In der vergangenen Woche wogte der Streit hin und her, und der Internationale Sportgerichtshof Cas sah sich außerstande, in dem komplizierten Fall schnell zu entscheiden.

So stecken – wie könnte es anders sein – auch in der guten Nachricht mehrere schlechte. Folgt auf Paris–Nizza die Spaltung und eine rein private Rennserie der Profiteams? Muss der Weltverband dann Olympia und WM mit Fahrern aus der zweiten Liga durchführen, wo viele verdächtigte und für die großen Teams nicht mehr tragbare Profis ein Auskommen gefunden haben? Heute wird erst einmal weitergefahren.

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