Sport : Der nette Herr Boxer

Cengiz Koc passt nicht ins Klischee, will aber Weltmeister im Schwergewicht werden

Mathias Klappenbach

Berlin - Die geballte Faust hat er wie bei einer rechten Geraden nach vorne gestreckt. Für den bösen Blick braucht Cengiz Koc aber ein paar Sekunden länger, weil er sich sein Lächeln aus dem Gesicht quälen muss. Die Fotografen benötigen den bösen Blick für ihre Bilder, schließlich will Cengiz Koc Weltmeister im Schwergewicht werden. Ganz so weit hat es der 28 Jahre alte Boxer aber noch nicht gebracht, die Fotos werden für den Kampf um die Europameisterschaft gemacht. Am Samstagabend fordert Koc im Berliner Tempodrom den Europameister Paolo Vidoz aus Italien heraus. Will er um die Weltmeisterschaft boxen, muss Koc gewinnen. „Dann kriegt er innerhalb von zwölf Monaten einen Kampf“, sagt sein Manager Wilfried Sauerland.

Den fiesen Blick kriegt der Schauspieler Koc doch noch hin. Schließlich hat er diese Rolle auch in Fernsehserien und in Kinofilmen schon oft gespielt. „Leider wird man nach dem Aussehen besetzt, ich musste immer der Bösewicht sein“, sagt Koc und es scheint so, als ob er dabei auch ein bisschen über sich selbst lacht. Statt die üblichen schlechten Sprüche loszulassen, nimmt der 99,2 Kilogramm schwere Kämpfer nach den gemeinsamen Fotos seinen Gegner freundschaftlich in den Arm. „Für mich ist dieses ganze übliche Gehabe vor den Kämpfen ein Zeichen von Schwäche“, sagt Koc.

Um als Boxer richtig stark zu werden, hat er seine Schauspielkarriere unterbrochen und arbeitet seit fünf Jahren gemeinsam mit Ulli Wegner für sein Ziel. „Aus Cengiz kann ein ganz Großer werden“, sagt der Trainer, der unter anderem Sven Ottke und Markus Beyer zu Weltmeistern machte. Koc’ Vorbild ist aber ein anderer, der frühere Weltmeister Mike Tyson. „Ich meine damit nur den schnellen, aggressiven Boxer im Ring. So boxe ich auch. Menschlich ist Tyson eine Katastrophe“, sagt Koc und lächelt wieder. Er hat die Mittlere Reife und ist gelernter Immobilienkaufmann. Zwar ist er dem Boxer-Klischee entsprechend an einer Security-Firma in Berlin beteiligt, „aber das war die Idee von meinem Kompagnon, ich bin nur stiller Teilhaber“, sagt Koc.

Er wurde in Westfalen geboren, seit seinem 10. Lebensjahr lebt er in Kreuzberg. Hier fing er auch mit dem Kickboxen an, wo er es mit 18 Jahren bis zum Weltmeister schaffte. Aber im Profi-Boxen muss man sportlich wesentlich mehr können, um sich einen Namen zu machen. Andere Boxer wie der aus Bosnien stammende Adnan Catic haben sogar ihren Namen geändert, um in Deutschland stärker wahrgenommen zu werden. Catic ist als Felix Sturm Weltmeister im Mittelgewicht geworden. „So etwas habe ich nie überlegt. Im Leben sollte man keine Rolle spielen, ich will mit meinem eigenen Namen bekannt werden“, sagt Koc. Er sieht sich als Deutsch-Türke, und „so werde ich auch wahrgenommen“.

Wenn er mit dem Boxen aufgehört hat, will Koc seine alte Karriere wieder aufnehmen. Er lacht und sagt: „Ich würde dann sehr gerne in Komödien mitspielen.“

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