Sport : Der Offensivbaumarkt

Ulms Basketballer fordern im Finale um die deutsche Meisterschaft Titelverteidiger Bamberg heraus.

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Zeichensprache. Ulms Per Günther führte seine Mannschaft bis ins Finale. Foto: dpa
Zeichensprache. Ulms Per Günther führte seine Mannschaft bis ins Finale. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Per Günther war ziemlich früh klar, dass es eine ordentliche Saison werden könnte. Nach einem Jahr im Abstiegskampf und einem wenig beeindruckenden 14. Platz war sich der Ulmer Aufbauspieler schon nach wenigen Bundesligapartien sicher, dass seine Mannschaft in dieser Spielzeit zumindest um einen Play-off-Platz würde mitspielen können. „Ich konnte aber natürlich nicht damit rechnen, dass wir so sehr übers Ziel hinausschießen“, sagt Günther. Der 24-Jährige und seine Mitspieler haben die Erwartungen in den vergangenen Monaten in der Tat mehr als übertroffen: Am heutigen Sonntag (15.30 Uhr, live bei Sport1) bestreiten die Ulmer das erste Finalspiel um die deutsche Basketballmeisterschaft gegen Titelverteidiger Bamberg.

Per Günther hat großen Anteil daran, dass die Ulmer die reguläre Saison auf dem zweiten Platz abschlossen und danach erst Braunschweig und dann Alba-Bezwinger Würzburg mit jeweils 3:0 aus den Play-offs warfen. Der 1,84 Meter große Spielmacher hat sich zuletzt genau dann gesteigert, als es auf ihn ankam. Vor dem Start der Play-offs verletzte sich Ulms zweiter Aufbauspieler Tommy Mason-Griffin, Günther musste mehr Verantwortung übernehmen. „Ich war plötzlich gezwungen, 30 Minuten pro Partie zu spielen und viel mehr selbst zu punkten“, sagt Günther. „Und dann habe ich einfach meinen Rhythmus gefunden und Fahrt aufgenommen.“ In der regulären Saison hatte Günther im Schnitt neun Punkte pro Spiel erzielt, im Viertelfinale gegen Braunschweig waren es 13, in den drei Halbfinalspielen gegen Würzburg gar 18 Zähler. Der Ulmer „Point Guard“ hat in den Play-offs bislang acht von neun Dreipunktewürfen getroffen, hinzu kommt eine Reihe von unkonventionellen Würfen aus dem Laufen. Seine „Runner“ und „Floater“ erwischen größere Verteidiger oft auf dem falschen Fuß, Günther hat zuletzt intensiv an der Erweiterung seines Offensivarsenals gearbeitet. „Das sind Würfe, die man heute als kleiner Spieler einfach im Werkzeugkasten haben muss“, sagt er.

Gemeinsam hat die vielseitige Ulmer Mannschaft an offensiven Werkzeugen einen halben Baumarkt zur Verfügung – ein Schlüssel für die erfolgreiche Saison. „Wir sind sehr gefährlich von außen“, sagt Per Günther. „Besonders in Kombination mit einem Center wie John Bryant, der viele Räume schafft.“ Bryant wurde in dieser Saison zum „Wertvollsten Spieler“ der Bundesliga gewählt, der 2,11-Meter-Mann mit den blonden Locken ergänzt sich hervorragend mit Günthers Wuseligkeit und der Treffsicherheit von Isaiah Swann. Der offensive Alleskönner Swann kehrte allerdings nach einer im Halbfinale erlittenen Knöchelverletzung erst kurz vor der Finalserie ins Mannschaftstraining zurück. „Wir müssen komplett sein, wenn wir Bamberg gefährden wollen“, sagt Per Günther. „Wir haben Würzburg zwar zweimal ohne Isaiah geschlagen – aber Bamberg ist ein anderes Kaliber.“ Die Baskets aus Bamberg streben nun einmal ihr drittes Double in Folge an und sind die eindeutigen Titelfavoriten. Zudem wollen die Franken ihrem Finalgegner zeigen, dass einige Ehrungen in dieser Saison möglicherweise zu Unrecht nach Ulm gegangen sind. Neben Bryants MVP-Award wurde Ulms Trainer Thorsten Leibenath als „Coach des Jahres“ ausgezeichnet, in Bamberg hätte man diese Titel eher an „Power Forward“ P. J. Tucker und Trainer Chris Fleming vergeben.

In Liga und Pokal sind Ulm und Bamberg in dieser Saison schon dreimal aufeinandergetroffen, dreimal hieß der Sieger Bamberg. „Um sie zu schlagen, müssen wir an unserem Limit spielen“, sagt Per Günther. „Wir müssen nahezu perfekte Spiele machen.“ Nach dieser Saison ist den Ulmern aber mittlerweile sogar diese Überraschung zuzutrauen.

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