Sport : Der Patriot vom Trainingsplatz

Jürgen Klinsmann findet Gerhard Schröder gut

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Berlin Jürgen Klinsmann lässt sich von Kritik selten irritieren. Dass das Quartier der Fußball-Nationalmannschaft bei der WM 2006 nach Berlin statt wie ursprünglich geplant nach Leverkusen verlegt wurde, hat viel Verwunderung im Deutschen Fußball-Bund (DFB) ausgelöst. Doch der neue Bundestrainer findet es eine „logische Entscheidung“. Schließlich sei Berlin das Zentrum der Republik, also müsse es auch das Zentrum der WM sein. Klinsmanns Argumentation ist durchaus patriotisch: Sein Team wolle am 9. Juli 2006 das Finale im Berliner Olympiastadion gewinnen – darum gehöre es nach Berlin. Den DFB-Funktionären fiel da kein Gegenargument ein.

Seinen Anspruch auf den Titel nutzt Klinsmann auch, wenn es um eine andere Standortentscheidung geht. Die Bundesregierung will, wie berichtet, zur WM eine Marketingkampagne für Deutschland starten. Der Bundestag hat mit Regierungsmehrheit für das kommende Jahr bereits zehn Millionen Euro bewilligt, ohne dass es einen genauen Ausgabenplan gibt. Die Opposition ist empört und fürchtet eine rot-grüne Politshow kurz vor der Bundestagswahl. Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) weist das natürlich von sich und sagt: „Man muss der Regierung auch ein bisschen Freiraum lassen, wie sie mit den Mitteln umgeht.“ Und Klinsmann? Der argumentiert wieder ganz einfach – patriotisch.

Für den Weltmeistertitel brauche die Mannschaft die Unterstützung der Menschen im Land, sagte Klinsmann jetzt der Wochenzeitung „Die Zeit“. „Deshalb beteiligen wir uns an allem, was sinnvoll ist, um die Stimmung im Land zu verbessern.“ Natürlich will sich der Trainer nicht politisch vereinnahmen lassen, doch sein Verhältnis zu Bundeskanzler Gerhard Schröder sei „von persönlicher Sympathie und Respekt geprägt“.

Klinsmann und Schröder haben 2006 viel gemeinsam. Die WM bietet ihnen die Möglichkeit, viel zu gewinnen. Kein Wunder, dass sich beide von Kritik kaum irritieren lassen wollen. ide

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