Sport : Der Popularitätstest

Hamburgs Eishockeyfans stehen Schlange für die Play-offs gegen die Eisbären – die Berliner halten sich noch zurück

Claus Vetter

Berlin. Die Schlange vor den Kassen schien einen Kilometer lang zu sein, die Tickethotline brach zusammen. Schon am Montagmorgen ging nichts mehr, das Volk balgte sich um Eintrittskarten. Am frühen Abend waren 26 000 Tickets für zwei Spiele verkauft, mehr gab es nicht. Diese Szenen spielten sich vor dem Play-off-Auftakt des EHC Eisbären ab. Aber nicht bei den Berlinern, obwohl die doch laut Marketing-Manager Billy Flynn „die besten Fans der Liga“ haben. Nein, der Kampf um die Tickets tobte beim Viertelfinalgegner in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), den Hamburg Freezers.

Am Montag ging rund um die Color Line Arena nichts mehr, stauten sich die Fans bis zur benachbarten AOL-Arena des Fußball- Bundesligisten Hamburger SV. Auch am Hauptbahnhof, der zweiten großen Vorverkaufsstelle, herrschte Trubel. „Wir haben mit nichts anderem gerechnet als mit zwei ausverkauften Spielen“, sagt der Hamburger Pressesprecher Stefan Burmester.

Dieses Ziel hatten sich auch die Berliner gesetzt. „Wir wollen für beide Viertelfinal-Spiele in der Deutschlandhalle alle Karten verkaufen“, sagt Billy Flynn. Zwar müssen die Eisbären nicht 13 000 Karten verkaufen, schließlich ist die Deutschlandhalle kleiner als die Hamburger Arena. Knapp 9000 Tickets sollen an den Fan gebracht werden. Bis zum Montag hatten die Eisbären 6300 Karten für den Play-off-Auftakt am Mittwoch verkauft. Für Berliner Verhältnisse ist das gigantisch, denn der Besucherrekord bei einem Eishockeyspiel in Berlin stammt aus der Vorsaison, wo 7300 Zuschauer in der Deutschlandhalle das Derby zwischen den Capitals und den Eisbären sehen wollten. Die Hamburger können darüber nur lachen. In ihrer Premierensaison in der DEL haben die Freezers im Schnitt vor 10 700 Zuschauern gespielt – das sind gut 6000 mehr als die Eisbären. Das Sportforum Hohenschönhausen fasst nur 5000 Besucher.

Der Umzug in die größere Deutschlandhalle ist für die Eisbären ein Popularitätstest: Am Mittwoch – und am Sonntag beim zweiten Heimspiel – wird sich zeigen, wie beliebt die Eisbären außerhalb ihrer rund 4000 Fans zählenden Stammkundschaft wirklich sind.

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