• Der Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB) Manfred von Richthofen sieht neue Wege bei der Anti-Doping-Bekämpfung

Sport : Der Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB) Manfred von Richthofen sieht neue Wege bei der Anti-Doping-Bekämpfung

Sebastian Arlt

"Die Dopingfälle werden nicht abreißen", ist sich Manfred von Richthofen, der Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), sicher. Wo der 65-Jährige Recht hat, hat er Recht. Es reicht nur ein Blick auf die Meldungen, die gestern von Nachrichtenagenturen in die Sportredaktionen geliefert wurden. Der Schwimm-Weltverband Fina sprach am Montag Strafen zwischen einem und vier Jahren gegen vier Langstreckenschwimmer und Springer aus. Insgesamt wurden acht Sportler bei den am Sonntag beendeten Panamerikanischen Spielen positiv getestet, darunter bekanntlich Kubas Hochsprungstar Javier Sotomayor. Zudem wurde über neue Details im Fall Linford Christie berichtet. Keine Rede kann davon sein, dass der Dopingsumpf langsam austrocknet, wie einige weltfremde Optimisten glauben wollen. Richthofen spricht von einer "Seuche, die wie die Drogenkriminalität bekämpft werden muss".

Und im Kampf gegen Doping im Sport will der DSB einen neuen Weg gehen. In der Zentrale in Frankfurt (Main) wird momentan an einem Konzept für eine Konstruktion gearbeitet, die man als "Nationale Anti-Doping-Agentur" bezeichnen könnte. Ob Agentur, vielleicht auch Stiftung - ein genauer Name steht ebenso wenig fest wie die Rechtsform. Im Herbst soll "die Diskussion darüber eröffnet werden". Dann stehen Gespräche mit dem Nationalen Olympischen Komitee von Deutschland (NOK) an. Bisher ist die gemeinsame Anti-Doping-Kommission (ADK) von DSB und NOK (unter der Leitung des Juristen Professor Ulrich Haas) in der Verwaltung des DSB angesiedelt. Hier wird die Doping-Bekämpfung in Deutschland koordiniert, wird beispielsweise entschieden, welches Unternehmen die Trainings- und teilweise auch die Wettkampfkontrollen durchführt. Momentan ist es die Münchner Firma Physical Work Control (PWC). 1998 wurden 4037 Trainingskontrollen durchgeführt, sechs davon waren positiv. Bei 2792 Wettkampfkontrollen (teilweise von den Verbänden durchgeführt) gab es 36 positive Fälle. Der Kommission darf nur angehören, wer in keinem Verband ein Amt hat. Unabhängigkeit soll damit demonstriert werden, Interessenskonflikte so von vornherein ausgeschlossen werden. Neben Haas gehören dem Gremium zum Beispiel die Diskus-Olympiasiegerin Liesel Westermann-Krieg oder Aktivensprecher Chris Carol Bremer an. Beratend dabei sind die Leiter der beiden deutschen Doping-Labors, Klaus Müller (Kreischa) und Wilhelm Schänzer (Köln).

Nach den DSB-Plänen soll dieses Gremium in die neue Konstruktion aufgehen. Darüber hinaus sollen aber auch noch Personen aus anderen Bereichen mit ins Boot geholt werden. Richthofen: "Ich würde es gerne sehen, wenn auch der Staat vertreten wäre." Wünschenswert wären auch Vertreter der Kultusminister oder der Wissenschaft. Ziel sei eine noch größere Unabhängigkeit über den Sport hinaus, "um auch den leisesten möglichen Verdacht von Einflussnahme zu nehmen". Bisher habe es keine Vorwürfe gegen die ADK gegeben. Aber: "Man muss auch schon an morgen denken." Richthofen weiß, was kommen wird: "Sicher werden einige sagen, dass doch alles toll läuft, so wie es ist. Aber das ist bei jeder Änderung so."

Eifersüchteleien unter den Verbänden und Profilierungssucht Einzelner werden die ganze Sache - wie so oft - nicht einfach machen. Doch wenn vielleicht einmal in dieser "Nationalen Anti-Doping-Agentur" sogar zwei, die sich nun gar nicht mögen, wie Richthofen und der Heidelberger Professor Werner Franke, Seite an Seite für das wichtige gemeinsame Ziel kämpfen würden, wäre das ein echter Fortschritt.

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