Sport : Der Rest ist nur Zirkus

Die New York Jets schlagen sensationell die New England Patriots im eigenen Stadion und stehen nun ihm Halbfinale der NFL

Sebastian Stier
Leaving on a Jet Plane. Patriots-Quarterback Tom Brady wird von Jets-Cornerback Drew Coleman gestoppt. Foto: dpa
Leaving on a Jet Plane. Patriots-Quarterback Tom Brady wird von Jets-Cornerback Drew Coleman gestoppt. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Wie ein Zirkusakrobat turnte Braylon Edwards herum. Der Receiver der New York Jets konnte im Freudenrausch noch schnell ein paar Rückwärtssaltos schlagen, dann stürmten seine Mitspieler ins Bild. Der Passempfänger verschwand in einem Jubelmeer. Die Jets feierten, als hätten sie soeben den Super Bowl gewonnen, dabei waren sie durch das 28:21 gegen die New England Patriots nur ins Halbfinale der National Football League (NFL) eingezogen. Die Niederlage der Patriots war die vielleicht größte Überraschung der „Divisional Round“, dem Viertelfinale in der NFL. Dass die Chicago Bears gegen Seattle gewannen (35:24), galt bereits vorher als sicher. Auch die Siege von Green Bay (48:21 in Atlanta) und Pittsburgh (31:24 gegen Baltimore) konnte man erwarten.

Aber dass New England ausscheidet, hielt kaum jemand für möglich. Nicht etwa, weil die New York Jets ein schlechtes Footballteam wären, sondern weil sie eine Grenze überschritten hatten. Seit Wochenbeginn hatten die Jets, allen voran ihr Trainer Rex Ryan, versucht, New England in ein Verbalduell zu verwickeln. Normalerweise reagieren die Patriots auf so etwas, indem sie den Gegner dann sportlich vorführen. „Das ist etwas Persönliches zwischen mir und Belichick“, sagte Ryan in Richtung New Englands Coach Bill Belichick. Ryan ist davon überzeugt, keinen Deut schlechter zu sein als Belichick, der als der beste NFL-Trainer gilt. Jets-Cornerback Antonio Cromartie bezeichnete die Patriots als „hochnäsiges, hassenswertes Footballteam“, das unbedingt zur Strecke gebracht werden müsste. Bei New England gab man sich gewohnt locker. Man wolle die Antwort auf dem Spielfeld geben, ganz so wie im Dezember, sagte Patriots-Trainer Belichick. Damals hatten die Patriots die Jets mit 45:3 gedemütigt.

Doch dieses Mal kam es anders. Die Jets-Verteidiger setzten New Englands Star-Quarterback Tom Brady mächtig unter Druck und brachten ihn immer wieder zu Fall. Bereits in den Anfangsminuten warf Brady einen Fehlpass, den ersten seit Oktober. Die Offensive Line der Patriots mit dem deutschen Tackle Sebastian Vollmer hatte Schwerstarbeit zu verrichten. New England, das mit 14:2-Siegen in der Vorrunde als Topfavorit auf den Super-Bowl-Sieg gehandelt wurde, erlebte gegen New York eine schlimme Demütigung. Nach dem Spielende kam es zu einer Umarmung zwischen den Trainern. „Er ist großartig, der beste Trainer im Football“, sagte Ryan über Belichick. Anscheinend war alles vorher nur Zirkus gewesen.

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