Sport : Der Schatten von Hawaii

Triathlet Timo Bracht will im fünften Anlauf siegen

Frank Hellmann

Berlin - Sich in Kailua-Kona zurechtzufinden, ist nicht das Problem des Timo Bracht. Seit fünf Jahren ist der Triathlet mittendrin, wenn auf Hawaii der spektakulärste und bedeutendste Ironman der Welt stattfindet. Den Einstieg zum 3,8 Kilometer Schwimmen im offenen Pazifik, die tückische 180 Kilometer lange Radstrecke und die finalen 42,195 Kilometer Laufen bis zum Zieleinlauf auf dem Alii Drive: Der 33-Jährige hat das alles schon mitgemacht.

Auch die Anspannung vor dem Ironman kennt Bracht schon. Eigentlich kann zu diesem Zeitpunkt an kaum noch einer Stellschraube gedreht werden und doch kann noch alles kaputt gehen. Wie bei Normann Stadler und Faris Al-Sultan, die sich im Vorjahr direkt vor dem Wettkampf einen rätselhaften Magen-Darm-Virus einfingen. Doch Bracht beteuert, ihm gehe es bestens. Und er verspricht noch mehr: Ein Platz auf dem Podium peilt er an. Besser als Platz acht (2004) war er bei der Ironman-WM jedoch noch nie. „Für Hawaii suche ich noch den Erfolgsschlüssel,“ gibt Bracht zu, glaubt aber auch, fündig geworden zu sein. Neuerdings arbeitet er mit dem ehemaligen Triathlon-Bundestrainer Ralf Ebli zusammen, der einst auch Olympiasieger Jan Frodeno formte. „Früher habe ich mich oft kaputt trainiert“, sagt Bracht, „jetzt gibt es auch ruhigere Phasen.“ Er sei bin ein kompletterer Athlet geworden.

Auch für Kurt Denk, den Veranstalter des Frankfurter Ironman, ist klar, dass Bracht aus dem Schatten von Stadler, Hawaii-Sieger 2004 und 2006, und Al-Sultan treten wird: „Timo hat mit seiner Marathonzeit in Frankfurt eine mentale Tür aufgestoßen. Er wirft nun selber Schatten.“ Bracht, oft noch als der dritte Mann bezeichnet, ist längst der heimliche Anführer der Deutschen. „Ich habe ein erfolgreiches System gefunden, das noch verfeinert wird.“ Zum Bracht-System gehört, sein Haus zu öffnen, seine Schränke zu zeigen, seine Blutwerte offen zu legen – Hämatokritwert 40, darüber lacht jeder Radprofi. Er sagt, dass Erfolg in Ausdauersportarten auch ehrlich zu erringen sei.

Interessant ist der deutsche Dreikampf auf allemal (das ZDF sendet am Sonntag ab 15.15 Uhr eine einstündige Zusammenfassung). Zumal es ja den australischen Supermann gibt, der im Juli in Frankfurt die Deutschen düpierte und auch im Vorjahr auf Hawaii dominierte: Chris Mc Cormack. Der 35-Jährige setzt derzeit die Maßstäbe und könnte Timo Bracht durchaus als sportliches Vorbild dienen: Mc Cormack benötigte exakt fünf Anläufe, um seine Karriere in Kailua-Kona zu krönen.Frank Hellmann

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