Sport : Der Schattenspringer

Bruno Labbadia ist bereit zu Kompromissen. Auch deshalb hat der VfB Stuttgart wieder Erfolg.

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Stuttgart - Am Sonntagmorgen sah Bruno Labbadia so entspannt aus wie seit langem nicht mehr. Der 46-Jährige scherzte und genoss die Situation beim VfB Stuttgart nach dem 2:1-Sieg bei Borussia Mönchengladbach am Tag zuvor. Noch vor wenigen Wochen sah Labbadia ständig angespannt aus, mancher wollte nicht mehr viel darauf wetten, dass der Trainer noch lange in Stuttgart sein würde. Labbadia und sein Klub taten das immer als übertrieben ab. Vor allem Manager Fredi Bobic ließ keine Gelegenheit aus, Labbadia zu stützen. Es folgte Labbadias Wutrede („Trainer sind nicht die Mülleimer für alle Leute“), die viel Staub aufwirbelte. Die Krise, in der die Stuttgarter und Labbadia steckten, scheint nun vorerst überwunden Und das lässt sich nicht allein mit guten Ergebnissen erklären.

Nach dem 2:2 am 7. September gegen Leverkusen, als „Bruno raus!“-Rufe auf der Tribüne des Stuttgarter Stadions zu hören waren, hat sich manches bewegt. Auch der Trainer. Verhärtete Fronten lösten sich vor allem beim Thema Nachwuchsspieler auf, die der Klub forderte und Labbadia lange nicht für so weit hielt, um sie in der Bundesliga einzusetzen. Nach und nach zeigte sich Labbadia kompromissbereit, als es um junge Spieler ging. Rani Khedira, Bruder des Nationalspielers Sami Khedira, wurde zum Profi gemacht. Auch Antonio Rüdiger und Kevin Stöger tauchten häufiger im Profi-Kader auf. In Mönchengladbach füllten die Stuttgarter ihren dünnen Kader mit weiteren Nachwuchskräften auf. Der Trainer, der sich kompromissbereiter gibt, wirkt positiv auf seine Mannschaft. Labbadia sprang über seinen Schatten und ließ Tamas Hajnal draußen, der derzeit dem Tempo in der Liga nicht mehr über 90 Minuten gewachsen zu sein scheint.

Wenn es darum geht zu ergründen, wie es die Schwaben geschafft haben, wieder erfolgreicher zu sein, lohnt aber auch ein Blick in die Mannschaft selbst. Anders als bei den Spielen in Hamburg und Leverkusen gibt es im VfB-Kader kaum Profis mehr, die vor allem zuerst an sich denken. Die Führungsspieler Sven Ulreich, Serdar Tasci, Georg Niedermeier, Martin Harnik und der zuletzt sehr starke Christian Gentner ordnen seit einem Gespräch der Mannschaft ohne Trainer die Belange der Profis, von denen viele ihre Wurzeln in Stuttgart haben.

Bei Labbadia ist das Gefühl in den Hintergrund getreten, im Falle des Misserfolges allein für schlechte Ergebnisse verantwortlich gemacht zu werden. Wie zerbrechlich aber die wieder gewonnene Stuttgarter Stabilität ist, zeigte die Niederlage gegen Hannover (2:4) vor einer Woche. Gegen die Hannoveraner kassierte der VfB vier Gegentreffer in 18 Minuten und befand sich nur zwei Punkte von den Abstiegsplätzen entfernt. Nach dem Sieg in Mönchengladbach ist das Polster größer geworden und man richtet den Blick wieder nach oben. Bruno Labbadia hat allen Grund, sich ein paar Scherze zu leisten. Oliver Trust

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