Sport : Der Schatz des DFB

Auf dem Bundestag kommt es zu einer Kampfkandidatur zwischen Profis und Amateuren

Robert Ide

Berlin - So ist es oft vor wichtigen Abstimmungen in der Sportpolitik. „Wenn alle, die so viel Gutes über mich sagen, für mich stimmen, müsste es reichen“, sagt Wilfried Straub. „Wenn alle, die so viel Gutes über mich sagen, für mich stimmen, müsste es reichen“, sagt Heinrich Schmidhuber. Das Problem allerdings ist wie so oft: Für einen von beiden wird es nicht reichen.

Durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB), der sich ab heute in Osnabrück zum Bundestag versammelt, geht ein Riss. Manchmal ist er öffentlich verborgen, doch an diesem Wochenende ist der Riss wieder zu besichtigen. Der Verband sucht einen neuen Schatzmeister. Straub wird von den Profivereinen ins Rennen geschickt, er ist Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga. Schmidhuber kommt aus dem Lager der Amateure, er ist Vorsitzender des Bayerischen Landesverbandes. Die Amateure haben beim Bundestag mehr Stimmen als die Profis, ihre Regionalverbände haben sich in einer Erklärung bereits auf Schmidhuber festgelegt. Doch was heißt das schon bei Kampfabstimmungen dieser Tragweite. „Die Delegierten sind mündig“, sagt Straub. Das ist seine einzige Chance.

Die Position des Schatzmeisters ist nicht irgendeine. Die Buchhalter des DFB haben es oft bis ins höchste Amt des größten Fußballverbandes der Welt geschafft. So war es bei Egidius Braun, so ist es jetzt bei Theo Zwanziger, der zum Geschäftsführenden Präsidenten neben dem amtierenden Chef Gerhard Mayer- Vorfelder gewählt werden soll. Schatzmeister sitzen im DFB-Präsidium, sie überwachen alle Finanzströme. Straub, der seit 30 Jahren im Fußballgeschäft tätig ist, betont darum seine Vita als konservativ rechnender Funktionär. „Ich habe den Aufbau der Finanzstruktur beim DFB wesentlich mitgestaltet“, sagt der 65-Jährige. „Diese Erfahrungen könnten für die Position eines Schatzmeisters wichtig sein.“

Doch neben Inhalten geht es um Sensibilitäten. Die Amateure fühlen sich von den Profis zurückgesetzt. Zwar wurden einige der 142 Anträge für den Bundestag, mit denen sich beide Lager über die Zusammensetzung der Regionalliga streiten wollten, kurzfristig zurückgestellt. Eine Kommission soll hier schlichten. Dennoch gibt es bei vielen Amateuren eine gewisse Gereiztheit gegenüber den finanzstarken Bundesliga-Klubs. Einer der sensibelsten Punkte bleibt die Nationalmannschaft: Die Deutsche Fußball-Liga will die Zuständigkeit für das Team allein dem DFB-Chef Mayer-Vorfelder und dem Liga-Präsidenten Werner Hackmann übertragen. Die Landesverbände bestehen dagegen auf einer echten Beteiligung von Theo Zwanziger und DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt, zumindest bis zur WM 2006. Vor allem die Amateurverbände haben Zwanziger im Sommer an die Doppelspitze gebracht. Nun wollen sie verhindern, dass er ein Präsident zweiter Klasse wird.

Vor diesem Hintergrund gewinnt der Kampf um den Posten des Schatzmeisters eine sportpolitische Qualität. Der Bayer Schmidhuber wird mehr oder weniger offen von Zwanziger unterstützt. Auf die Frage, ob er Zwanzigers Wunschkandidat sei, antwortet Schmidhuber: „Ich gehe davon aus.“ Und dann erzählt er, dass er seit 40 Jahren im deutschen Fußball tätig sei – „und zwar immer ehrenamtlich“. Sein Gegenkandidat Straub könne das nicht von sich behaupten.

Es geht um Macht. Beide Kandidaten versichern, dass sie Profis und Amateuren gleichermaßen dienen wollen. Beide versichern, dass sie die Mehrheit der Delegierten überzeugen können. Der Wahlkampf dürfte bis Samstag andauern.

Am Montag absolvierte Schmidhuber in München einen Werbeauftritt für die WM 2006. Anwesend war auch Franz Beckenbauer, der allmächtige Funktionär. Beim Gehen sagte Beckenbauer zu Schmidhuber: „Heinrich, du brauchst dir keine Sorgen zu machen.“ Ob das reicht?

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