Sport : Der schöne Eindruck täuscht

Das vermeintliche Zweitliga-Spitzenspiel entpuppt sich als Langweiler: Hertha BSC spielt 0:0 bei 1860.

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Wenig Kunst, viel Kampf. Hertha BSC (hier mit Lewan Kobiaschwili, rechts) bot nur in der ersten Halbzeit eine ansprechende Leistung. Nach der Pause mussten die Berliner glücklich sein, das Spiel nicht verloren zu haben. Foto: dpa
Wenig Kunst, viel Kampf. Hertha BSC (hier mit Lewan Kobiaschwili, rechts) bot nur in der ersten Halbzeit eine ansprechende...Foto: dpa

Der Föhn war auf München herabgekommen und sorgte für wolkenlosen Himmel und strahlenden Sonnenschein. Der schöne Eindruck täuschte aber, denn im Schatten war es bitterkalt. So war es auch beim vermeintlichen Zweitligaspitzenspiel des TSV 1860 München gegen Hertha BSC: Das Duell des Tabellensiebten gegen den Spitzenreiter vor 25 400 Zuschauern versprach viel, wurde am Ende aber nur ein schattiges 0:0 ohne große Höhepunkte.

„Das Ergebnis ist okay“, sagte Trainer Jos Luhukay, „in der ersten Halbzeit hatten wir Spielfluss und Dominanz, aber das konnten wir nicht nutzen.“ In der zweiten Halbzeit hatte Hertha vor allem Glück, nicht in Rückstand zu geraten. „Wir hatten Chancen, sie hatten Chancen, das Unentschieden ist ein gutes und gerechtes Ergebnis“, fasste der eingewechselte Ben Sahar zusammen. Da Verfolger Braunschweig 1:0 in Bochum gewann, schmolz Herthas Vorsprung auf den Tabellenzweiten auf einen Punkt.

Für den verletzten Peer Kluge sowie die erkrankten Peter Niemeyer und John Anthony Brooks kamen Maik Franz, Alfredo Morales und Christoph Janker in die Startelf. Für Janker war es nach seiner langwierigen Leistenverletzung der erste Einsatz seit zehn Monaten, er rückte neben Franz in die Innenverteidigung, Morales und Ersatzkapitän Fabian Lustenberger agierten davor. „Ich war unheimlich nervös“, gestand Janker später, „mir gingen vorher tausend Gedanken durch den Kopf.“ Zu merken war das nicht.

Von Beginn an störten die Berliner die Gastgeber früh und aggressiv im Spielaufbau, gewannen einige Bälle. Offensiv hatten sie es jedoch schwer, weil sich die Münchner sehr dicht gestaffelt in die eigene Hälfte zurückzogen. So passierte denn auch nicht viel in der ersten halben Stunde. Als größter Aufreger der Anfangsphase ging noch durch, dass sich Linienrichter Volker Wezel verletzte und fortan vom vierten Offiziellen Thorsten Schiffner an der Seitenlinie vertreten werden musste. Nach einer halben Stunde kamen die Münchner zu ihrer ersten und einzigen richtigen Gelegenheit im ersten Durchgang, als der frühere Herthaner Rob Friend erst knapp eine Flanke verpasste und den Ball kurz darauf über das Tor drosch. In der Folge spielten nur noch die Berliner, die den Druck weiter hoch hielten, aber denen offensiv die Kreativität fehlte. So kamen sie nur zu kleineren Torgelegenheiten durch Sami Allagui und Ronny, die Münchens Torhüter Gabor Kiraly festhalten konnte.

Nach der Pause beteiligten sich die Gastgeber auch offensiv am Spiel, die Berliner ließen sie gewähren. „Wir haben nicht mehr gepresst wie in der ersten Halbzeit“, bemängelte Sahar. „90 Minuten kann man das nicht durchhalten“, sagte Lustenberger. Also habe man in der Pause besprochen, sie ein wenig spielen zu lassen, „um noch Frische für eigene Angriffe zu haben“. Das ging fast schief. Zehn Minuten nach der Pause verfehlte 1860-Angreifer Benjamin Lauth das Hertha-Tor um wenige Meter. Kurz darauf schoss Marin Tomasov Zentimeter über die Latte. Es war die beste Chance des Spiels. „Den macht er von zehn Versuchen achtmal“, sagte Münchens Trainer Alexander Schmidt und trauerte dem verpassten Sieg nach.

Die Rekonvaleszentenabwehrreihe der Berliner geriet nun gehörig unter Druck. Lewan Kobiaschwili umklammerte Lauth vor dem Strafraum, aber Marin Tomasov setzte den Freistoß hoch über das Tor. Luhukay brachte Änis Ben-Hatira und Ben Sahar für die durchsetzungsschwachen Außen Nico Schulz und Sami Allagui.

Es haperte in Herthas Spiel aber weiter vor allem daran, dass Ronny kaum zur Geltung kam: Der Spielmacher verschwand in einem Deckungsdreieck, das meist die Münchner Dominik Stahl, Malik Fathi und Marin Tomasov bildeten. „Wir waren am Ende ein bisschen müde“, sagte Adrian Ramos. Da auch die Angriffslust der Sechziger erlosch, beruhigte sich das Spiel wieder auf das Niveau der ersten Hälfte und die Schatten auf dem Rasen wurden immer länger, bis nur noch Kälte blieb.

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