Sport : Der schwer Erziehbare

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Richard Leipold über den Abstieg

des Schalkers Jörg Böhme

Zwei Jahre lang ist Jörg Böhme in Schalke mit Erfolg zwischen Genie und Wahnsinn gewandelt. Nun droht ihm der Absturz. Seine Geistesblitze auf dem Spielfeld wiegen seine Eskapaden nicht mehr auf. Böhme hat den mächtigsten Mann bei Schalke 04 so gegen sich aufgebracht, dass er froh sein kann, wenn Rudi Assauer ihn bis zum Saisonende im Verein duldet. Und auch unter den Kollegen findet er keinen, der ihn unterstützt. Selbst einem diplomatischen Menschen wie Mannschaftskapitän Ebbe Sand fällt es schwer, ein gutes Wort für ihn einzulegen.

Doch was ist so schlimm an Jörg Böhme? Assauer vergleicht ihn mit einem faulen Apfel, den man aussortieren müsse, um zu vermeiden, dass auch die übrigen Äpfel im Korb befallen werden. Konkrete Anschuldigungen will Assauer nicht nennen. Doch der angekündigte Rausschmiss spricht dafür, dass es gute Gründe gibt. Assauer hat Böhme erst suspendiert, gab ihm dann einen Tag später eine letzte Chance, die der Nationalspieler nicht zu nutzen wusste. Er wird wohl bald aus Schalker Diensten entlassen – unehrenhaft.

Dabei schien Böhme nach vielen Tiefs in seiner Karriere in Schalke sein berufliches Glück gefunden zu haben. Seine beiden Tore im Pokalfinale vor eineinhalb Jahren brachten dem Klub sogar einen Titel. Und Böhme wurde Nationalspieler. Der schwer Erziehbare schien resozialisiert, auf dem Platz und außerhalb. Solange der Erfolg ihm Recht gab und er pünktlich zum Dienst erschien, hatte er Narrenfreiheit. Als die Schalker noch glaubten, das Genie vom Wahnsinn befreit zu haben, sagte Assauer nach schwachen Aktionen des Mittelfeldspielers, man müsse ihn gewähren lassen. Die lange gewährte Kulanz der Schalker verdankt er einem personellen Engpass, der die Mannschaft seit der Vorbereitung auf die Saison schwächte.

Böhme stößt Vorgesetzte und Kollegen nicht wider besseren Wissens vor den Kopf; Nur: Er hat dieses bessere Wissen einfach nicht. Das macht diesen schwierigen Charakter zu einer tragischen, manchmal sogar sympathischen Figur. Böhme hat nicht begriffen, dass auch der Traumberuf des Fußballprofis seine Tücken hat.

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