Sport : Der sensible Sieger

Der Boxer Markus Beyer bleibt Weltmeister im Super-Mittelgewicht, aber sein Trauma ist er nicht losgeworden

Hartmut Scherzer

Dresden. Punkt Mitternacht wurde der Gong zur 12. Runde geschlagen. Unter den 3500 Zuschauern in der Dresdner Mehrzweckhalle stimmten einige Gesangsfreunde ein „Happy Birthday“ an. Der Promoter des ersten Profiboxabends in Dresden, Wilfried Sauerland, wurde 64 Jahre alt. Und Markus Beyer (32) wollte in der letzten Runde seinem Manager einen K.-o.-Sieg über den Buren André Thysse (34) zum Geburtstag schenken. Stattdessen fing er selbst zwei harte Treffer ein, und beim Weltmeister im Supermittelgewicht nach WBC-Version wurden böse Erinnerungen wach.

Vor vier Jahren war der sensible Sachse gegen den Engländer Glenn Catley in der Schlussrunde noch ausgezählt worden. Dieses Trauma ist Beyer immer noch nicht losgeworden, zumal er in seinem letzten Kampf vor einem halben Jahr erneut von dem Australier Danny Green zweimal zu Boden geschlagen worden war. Beyer riskierte nach den beiden Warnschüssen nichts mehr.

Mit gesenktem Kopf und hängenden Schultern trottete Beyer in seine Ecke, als hätte er verloren, während der baumlange, schmalbrüstige Herausforderer die Fäuste hochriss. Die Siegerpose des Spielzeugverkäufers aus Südafrika konnte nur die Freude ausdrücken, den Titelkampf ohne Niederschlag und ernsthafte Schwierigkeiten beendet zu haben. Denn der einstimmige Punktsieg Beyers war eine klare Sache.

„Der Kampf hat keinen vom Sitz gerissen“, sagte der Sieger und entschuldigte sich beim Publikum. Er sei ein bisschen unsicher gewesen und habe daher auf Sicherheit geboxt. „Ich hoffe, ihr habt trotzdem Spaß gehabt.“ Immerhin gab es Beifall für die ehrlichen und selbstkritischen Worte Beyers. Das Selbstvertrauen des Boxers, der in seinen besten Kämpfen die Gegner mit dem Leberhaken im Stile eines Bubi Scholz spektakulär niederzustrecken pflegte, ist von Selbstzweifeln abgelöst worden. Er sei unzufrieden, gestand Beyer, und das zeige er auch. Mit einer solchen Leistung brauche er erst gar nicht zum Rückkampf gegen Danny Green anzutreten. Da war es wieder, dieses Trauma vom eigenen Knockout. „Markus hat wie der Ochs vorm Tor gestanden“, kritisierte der frühere Weltmeister Henry Maske. Als Beyer einmal den gefürchteten Leberhaken in der 6. Runde ansetzte, aber zu tief und nur den Tiefschutz traf, lachte ihn Thysse aus. „Markus hatte zu viele Phasen, in denen er wie abwesend wirkte“, mäkelte Maske.

Anschließend wurde mehr über Beyers Stallkollegen Sven Ottke gesprochen, der in der gleichen Gewichtsklasse die Titel der IBF und WBA hält. Ottke boxt am 27. März gegen den Schweden Arman Krajnc. Sein vorletzter Kampf. Im Juni wird Ottke 37 Jahre alt und sich danach mit „einem großen Ding verabschieden“, wie beider Trainer Uli Wegner sagte. Beyers nächster Auftritt, die Pflichtverteidigung am 5. Juni gegen Green, bleibt vage. Es ist nicht nur das Trauma Catley, sondern auch der Schatten Ottkes, der Beyer bedrückt. Sauerland glaubt: „Svens Rücktritt wird wie eine Befreiung für Markus wirken.“

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