Sport : Der siebente Rang der Handballerinnen hat Auswirkungen auf die Fördergelder

Hans Moritz

"Das WM-Abschneiden ist fatal genug. Wenn Herr Doering in einem Interview aber meint, das habe keine Auswirkungen auf die Landesverbände, dann hat er vom deutschen Fördersystem keine Ahnung. Da liegt er nämlich völlig falsch." Hennig Opitz ist als Vorsitzender des Berliner Handballverbandes ernüchtert über so viel Blauäugigkeit des Frauen-Bundestrainers. "Wir haben nach der Bewertungsskala des Bundesausschusses für Leistungssport in Norwegen nicht einen der wichtigen Plätze eins bis sechs belegt. Und das wird Folgen haben", sagt er. Konkrete Einschnitte in seinen Sport kann Henning Opitz noch nicht nennen. Keine Vorsichtsmaßnahme, sondern den Bewertungskriterien und Zeiträumen geschuldet.

So werden einige Einschätzungen nach dem Kalenderjahr, andere nach der im Schuljahres-Rhythmus verlaufenden Saison vorgenommen. Danach ist der Berliner Handball im weiblichen Bereich durch den Abstieg des SV Berliner VB aus der Bundesliga von der zweiten in die dritte Förderstufe abgerutscht, die Männer dümpeln ohnehin in der untersten vierten Stufe umher. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Von den bisherigen 90 000 Mark Zuwendung werden die 7200 Mark für Lehrgangsmittel wohl drastisch bis gegen null gekürzt. "Knapp zehn Prozent, das tut schon weh", sagt Henning Opitz. Das sei aber keinesfalls eine Auswirkung der WM-Blamage. "Die greift, weil die Zahlen für das Jahr 2000 längst fertig sind, auf die Landesverbände erst zwölf Monate später durch", sagt Opitz. Ob er sich zum 1. Januar des Jahres 2001 dann noch auf die beiden Landestrainer Gernot Funk für die Jungen und Rüdiger Bones für die Mädchen stützen kann, steht in den Sternen. Und die stehendurch die bei der WM verpassten Olympiateilnahme nicht günstig.

"Noch haben beide einen Vertrag, der bis zum Ende des Jahres 2000 läuft. Aber im Herbst werden wir uns deswegen ohnehin zusammensetzen, um die nächsten Fristen zu bestimmen", hofft Opitz, dass das dann noch nötig ist und Berlin nicht auf Grund fehlender Substanz - kein Erstligist, keine Nationalspieler - weiter in den Sparzwang genommen wird. Denn der wird sich weiter durchsetzen nach dem enttäuschenden 7. WM-Platz in Norwegen. Gegenwärtig glänzt die Hauptstadt auf Grund der guten Arbeit im Nachwuchsbereich in der internen Wertung des Deutschen Handball-Bundes (DHB) mit einer Platzierung im Spitzenbereich gleich hinter Sachsen-Anhalt.

Doch was nutzen in zwölf Monaten die vom DHB vergebenen Pluspunkte, wenn der gleiche Verband im Haus des deutschen Sports von anderen Sportarten überholt worden ist. Allein durch gute Leistungen bei Olympia. Die können die Handballerinnen eben nicht schaffen. Das hat Lothar Doering, sehr zum Leidwesen von Henning Opitz, wohl vergessen. Diese WM wird den Landesverbänden im neuen Jahrtausend noch schwer im Magen liegen.

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