Sport : Der Sieg des Öls

Chelsea erobert die Tabellenspitze der Premier League

Moritz Schuller

London. Um kurz nach sieben steigen Rio Ferdinand, Ryan Giggs, Ruud van Nistelrooy und Roy Keane in einen luxuriösen Kleinbus hinter dem Stadion. Der Rest der Mannschaft ist bereits abgefahren, nur noch die Stars von Manchester United warten im Nieselregen. „Wie tief sind sie gefallen“, sagt jemand mitleidig, doch in Wahrheit blickt er ohne Mitleid auf die getönten Scheiben. Er ist Chelsea-Fan. Chelsea hatte Manchester gerade 1:0 geschlagen und war damit Tabellenführer der Premier League. Ein Platz, auf den Manchester United so lange ein Abonnement zu haben schien. Und es war nicht einmal schwer gewesen: Ein Pass von Hernan Crespo zu Joe Cole in den Strafraum, Keane attackiert Cole unfair, Elfmeter, Tor. Der Widerstand von Manchester United war erstaunlich gering.

Vielleicht hatte sich an diesem verregneten Abend eine Epochenwende vollzogen. Auf jeden Fall aber hat Chelsea endgültig Anspruch auf die Meisterschaft erhoben. Erst vor wenigen Monaten hatte der russische Öl-Oligarch Roman Abramowitsch den Verein übernommen und über 100 Millionen in neue Spieler investiert. Chelsea war die beste Mannschaft der Liga geworden – auf dem Papier. Und nach einer eindrucksvollen Vorstellung in der Champions League könnte nun auch in der Premier League eine neue Ära anbrechen.

Vielleicht kommt Manchester aber auch wieder. In der vergangenen Saison lag United schon sechs Punkte zurück und wurde doch noch Meister. Gerade erst wurde der Werbevertrag mit Vodafone verlängert. 36 Millionen Pfund für vier Jahre, und vermutlich wird Trainer Alex Ferguson einen Teil davon für neue Spieler abzweigen. Gleichzeitig könnten die Geschäfte von Chelseas russischem Retter besser laufen: Die Fusion seines Ölkonzerns Sibneft mit Yukos ist erst einmal abgeblasen. Für viele ist ohnehin Arsenal, der andere Londoner Spitzenverein, erster Anwärter auf den Titel.

Und doch lag über Chelseas ungefährdetem Sieg etwas von einer Zeitenwende. Wer in England Meister werden will, muss Manchester schlagen können, und es waren nicht einmal Chelseas teure Neueinkäufe, denen am Sonntagabend die entscheidenden Tore gelungen waren. Der Sieg, den die Fans an der Stamford Bridge noch Stunden nach dem Abpfiff trunken feierten, war eine gelungene Reifeprüfung. Der Höhepunkt war es womöglich noch lange nicht. Vor allem, wenn das Gerücht stimmt und mit dem Italiener Christian Vieri von Inter Mailand schon bald ein weiterer Neueinkauf beim FC Chelsea vorfährt.

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