Sport : Der Sinn der Niederlage

Wie die deutsche Nationalmannschaft mit einer neuen Erfahrung umgeht

Moritz Müller-Wirth

Busan - Nun ist sie also da, die erste Niederlage für Jürgen Klinsmann als Bundestrainer. Und trotzdem scheint alles, wie es war. Nach der 1:3-Niederlage in Busan gegen Südkorea jedenfalls schien sowohl die Mannschaft als auch ihr Coach zur bisher gewohnten „Alles wird gut“-Devise überzugehen. Innerhalb kürzester Zeit waren die Spieler geduscht, beim Aufeinandertreffen mit den Journalisten in der so genannten Mixed-Zone spielte Bastian Schweinsteiger mit einer leeren Bananenschale, Lukas Podolski hatte das Handy am Ohr und – ein Zeichen großer Gelassenheit auch bei den Medienvertretern – viele Spieler durften von Fragen unbehelligt vorüberziehen.

Allein Arne Friedrich war sichtlich angefressen. Fragen nach eigenen Fehler beantwortete er mit kaum verhohlener schlechter Laune. Der Herthaner war der einzige wirkliche Verlierer des Spiels. Er war an allen drei Gegentoren irgendwie beteiligt. Da fiel auch der schöne Doppelpass mit Bernd Schneider nicht mehr ins Gewicht, nachdem Friedrich gefoult worden war und damit jenen Freistoß herausgeholt hatte, den Ballack zum zwischenzeitlichen 1:1 verwandelte.

Friedrich, der Verlierer? Bei Jürgen Klinsmann gibt es keine Verlierer, zumindest keine, die öffentlich als solche tituliert würden. Der Bundestrainer, angesprochen auf seinen Innenverteidiger, griff in die große Orgel: „Er hat seinen Job gut gemacht. Dass der Arne endlich zu uns gestoßen ist, ist unheimlich wichtig für ihn und für uns. Wir halten große Stücke auf ihn. Er hatte eine lange Pause und muss deshalb erst seinen Rhythmus finden.“ Und damit nur niemand das als Worthülse enttarnen kann, kündigte Klinsmann gleich an, Friedrich werde Dienstag gegen Thailand (12.30 Uhr, ARD) gemeinsam mit Per Mertesacker die Innenverteidigung bilden.

Es fiel Klinsmann bei seiner Analyse sichtlich schwer, ein wenig bedröppelt dreinzublicken, immerhin rang er sich zu einem „niemand verliert gerne“ durch. Trainerstab und Team gingen mit der Niederlage um wie mit einem Sieg: „Wir analysieren und versuchen, daraus zu lernen, dafür ist es vielleicht gar nicht schlecht, auch einmal zu verlieren“, sagte Klinsmann, um gleich wieder zu seinem Lieblingsthema überzuleiten: den Teamgeist der Nationalmannschaft. „Es zeigt sich, dass die Spieler einander mit großem Respekt begegnen, obwohl alle wissen, dass sie innerhalb der Truppe auch Konkurrenz bekommen können.“ Zum Spiel selbst bemerkte Klinsmann sichtlich zufrieden, „dass wir immer unseren offensiven Stil durchgezogen haben“. Selbst den vergebenen Chancen gewann der 40-Jährige noch etwas Sinnstiftendes ab: „Wichtig ist, dass wir die Chancen herausgespielt haben.“ Man müsse es „halt schlucken, dass wir ausgekontert wurden“.

Aber nicht zu sehr in der Vergangenheit kramen, besser gleich in die Zukunft blicken: Gegen Thailand erhalten alle Spieler, die in den bisherigen beiden Spielen der Asienreise fast oder ganz durchgespielt haben, eine Pause. Wenn er bei dieser Entscheidung bleibt, wären dies Kahn, Ballack, Klose, Schneider, Ernst und Wörns.

Dann verschwand Bundestrainer Jürgen Klinsmann eiligen Schrittes in Richtung Mannschaftsbus. Es sollte ein kurze Nacht werden. Nein, die Niederlage sollte nicht begossen werden, der Grund lag einzig und allein an der für 6 Uhr früh terminierten Abfahrt vom Hotel Richtung Flughafen. Von da geht es weiter nach Bangkok, der letzten Station der Asienreise.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben