Sport : Der Spieltrieb ist stärker

Dortmund steckt die Belastung durch die Champions League beim 3:0 gegen Frankfurt locker weg.

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Auf und davon. Der Frankfurter Carlos Zambrano versucht vergeblich, den Dortmunder Marco Reus (rechts) aufzuhalten. Reus erzielte beim 3:0-Heimsieg des BVB alle drei Tore. Foto: dpa
Auf und davon. Der Frankfurter Carlos Zambrano versucht vergeblich, den Dortmunder Marco Reus (rechts) aufzuhalten. Reus erzielte...Foto: dpa

Lewandowski hin, Lewandowski her: Dortmunds europaweit begehrter Stürmer ist mittlerweile allgegenwärtig. Selbst dann, wenn er wie am Samstag nur auf der Tribüne sitzt. Der polnische Nationalspieler muss derzeit als Folge seiner Roten Karte gegen den HSV in der Bundesliga drei Mal pausieren, dennoch bestimmt er sämtliche Gespräche. Vor dem Gastspiel von Eintracht Frankfurt waberte mal wieder das Gerücht durch das Dortmunder Stadion, Lewandowski sei sich mit den Bayern einig, die Neuigkeit werde nach dem Pokal-Spiel zwischen Meister und Vizemeister am 27. Februar verkündet. Prompt sah sich Sportdirektor Michael Zorc gemüßigt zu dementieren: „Das ist Mumpitz und frei erfunden“, sagte Zorc den Dortmunder „Ruhr-Nachrichten“. Allerdings rechnet beim BVB mittlerweile niemand mehr ernsthaft damit, der 24-jährige Lewandowski könne über das Jahr 2014 hinaus im Revier bleiben. „Ich gehe davon aus, dass er nicht verlängern wird“, sagte Zorc. Auch Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hält das für „unwahrscheinlich“. Das Thema wird die Dortmunder solange begleiten, bis die Zukunft des Stürmers endlich offiziell geklärt ist.

Am Samstag bestimmte Lewandowskis Vertreter Julian Schieber die Schlagzeilen, allerdings nicht so, wie er sich das gewünscht hatte. Der ehemalige Stuttgarter, den sie in Dortmund den „Bullen von Backnang“ nennen, wollte wie der absente Kollege durch Tore glänzen, doch dazu bekam er keine Gelegenheit. Bereits nach einer halben Stunde war Schiebers Arbeitstag beendet, Schiedsrichter Dr. Felix Brych hatte Lewandowskis Stellvertreter mit Gelb-Rot vorzeitig unter die Dusche geschickt. Es war eine harte, aber durchaus vertretbare Entscheidung, die einen herben Rückschlag bedeutet für einen Profi, der immer noch erfolglos versucht, sich an das Niveau zu gewöhnen, das beim Doublesieger vorausgesetzt wird.

Sein Arbeitgeber kann mit dem Ausfall seines zweiten Stürmers indes gut leben, schließlich verfügt der BVB ja über ein genügend großes Reservoir an Kräften, die Spiele entscheiden können. So wie Marco Reus, dem gegen Eintracht Frankfurt alle Treffer zum souveränen 3:0 (2:0) gelangen, mit dem die Dortmunder den zweiten Tabellenplatz sicherten. „Alle drei Tore waren herausragend rausgespielt“, lobte Klopp, „das hatte große Klasse.“ Es war erstaunlich zu erleben, mit welch spielerischer Leichtigkeit der BVB das Geschehen vor 80 500 Zuschauern selbst in Unterzahl dominierte. Dass das Gleichgewicht der Kräfte am Ende wieder hergestellt war, weil auch Frankfurts Japaner Takashi Inui eine Viertelstunde vor dem Abpfiff vom Platz flog, interessierte niemanden, denn zu diesem Zeitpunkt hatten die Dortmunder das einseitige Geschehen längst zu ihren Gunsten entschieden.

Schon in der vergangenen Saison war auffällig, dass sich die Borussia nach Auftritten in der Champions League oftmals zu überdurchschnittlichen Leistungen aufrafft. Wenn Klopp auf dieses Phänomen angesprochen wird, sagt er, sein Ensemble sei jung und belastungsfähig: „Klar, wenn wir mittwochs in Donezk spielen, kriegen wir ein bisschen weniger Schlaf. Aber die Jungs werden top versorgt und wir sind ja schließlich nicht zu Fuß aus der Ukraine zurück gelaufen, sondern geflogen.“ Das ist durchaus richtig, und doch ist es erstaunlich, wie sehr sich die Dortmunder von europäischen Auftritten inspirieren lassen, anstatt zu jammern. Klopp gerät immer wieder ins Staunen über den ungebremsten Tatendrang einer Mannschaft, aus der gegen Frankfurt neben Reus auch die Nationalspieler Mario Götze, Ilkay Gündogan und Mats Hummels herausragten: „Diese Jungs haben einen solchen Spieltrieb“, sagt der Trainer, „dass es ihnen auch weiterhin schwer fallen wird, ein Ergebnis zu verwalten.“

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