Sport : Der Teamchef der deutschen Kunstturnerinnen hat die Sportlerinnen enttäuscht

Helen Ruwald

Peter Hanisch, der Präsident des Berliner Turnerbundes (BTB), fordert den Rücktritt von Dieter Koch, dem Teamchef der deutschen Kunstturnerinnen. Dieser hatte seine Schützlinge in der Öffentlichkeit hart kritisiert, nachdem sie bei der WM in China auf dem enttäuschenden 15. Platz gelandet waren und so die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Sydney verpasst hatten. Koch sprach damals von einem "Supergau", die Leistung der Turnerinnen sei nicht akzeptabel gewesen. "Auch bei Misserfolg muss man als Trainer die Verantwortung tragen", sagte Hanisch gestern. Es könne nicht sein, dass ein Erfolg ein Verdienst des Trainers sei, schlechte Leistungen hingegen den Athleten angelastet würden. Morgen tagt der Verbandsrat des Deutschen Turnerbundes (DTB), dort erwartet Hanisch eine Erklärung, ob der DTB eine weitere Zusammenarbeit mit Koch plant.

Der Berliner Bundestrainer Steffen Gödicke, der als zweiter Trainer in China war, bemängelte, dass es zwischen den Trainern keine Absprachen gegeben habe, "nur Koch hatte das Sagen". Bei der WM-Vorbereitung habe Koch Fehler in der "Belastplanung" gemacht, das Team in China psychologisch falsch eingestellt und zu sehr unter Druck gesetzt. "Jede wusste, dass die Zukunft des Frauenturnens, Trainerstellen und Finanzierung vom WM-Ergebnis abhängen", sagte Gödicke. Koch habe die Mädchen nur als Mannschaft gesehen und an ihren Zusammenhalt appelliert, dabei sei die Einzelne zu kurz gekommen. Letzteres bestätigte die 15fache Deutsche Meisterin Yvonne Pioch vom Berliner SC, die Kochs Verhalten nach dem Aus "sehr enttäuschend" fand.

Pioch war im vergangenen Jahr lange krank und kam gerade rechtzeitig zur WM in Form. Bis Anfang 2000 will sie entscheiden, ob sie zurücktritt oder versucht, einen der beiden Einzelplätze für Sydney zu erkämpfen. "Derzeit bin ich nicht so motiviert, mit dem Team ist es vorbei, im Einzel ist es schwer." Nach dem schlechten Abschneiden der deutschen Frauen fließt künftig weniger Geld in die Förderung, Trainerstellen sind in Gefahr. Hanisch sieht große Probleme, "wenn wir nicht ausreichend Trainer haben, aber die Leistungsanforderung höher wird. Mit ehrenamtlichen Trainern ist das nicht zu schaffen".

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