Sport : Der Traum vom fernen Planeten

Der Basketballprofi Gerald Brown will zurück in die NBA und sich dafür bei Alba Berlin empfehlen

Helen Ruwald

Berlin - Bis zum zwölften Lebensjahr wuchs Gerald Brown in Los Angeles auf, im Stadtteil Watts, „einem problematischen Ort mit vielen Gangs“. Schon damals schwärmte der neue Aufbauspieler des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin von den LA Lakers und träumte von einer Profikarriere in der NBA. Trainingspartner hatte er immer – seine vier jüngeren Brüder, zweimal Zwillinge. So trainierten die Brown Brothers vor der Haustür mit ihrem eigenen Team, zunächst in Los Angeles, später in Phoenix (Arizona). Dorthin zog die Familie, damit die Kinder nicht inmitten der Gangs von Watts aufwachsen mussten.

Seine Brüder spielten im Junior College Basketball, Gerald Brown schaffte es 1998 tatsächlich in die NBA. In seiner ersten Saison bei den Phoenix Suns, dem damaligen Team von US-Star Jason Kidd, spielte er im Schnitt sieben Minuten pro Spiel. Doch in der zweiten Saison saß er nur noch auf der Bank. „Dabei war ich viel besser als im ersten Jahr. Ich verstehe immer noch nicht, warum ich nicht mehr gespielt habe“, sagt der 29-Jährige. Er wechselte in die US-Ligen CBA und ABA und kam dann über Hapoel Jerusalem und Partizan Belgrad nach Berlin. Doch mit der NBA hat er keineswegs abgeschlossen. „NBA-Profi, das ist der beste Job auf dem Planeten“, sagt Brown.

Und für die Rückkehr auf diesen fernen Planeten möchte er sich nun bei Alba empfehlen. Bisher verriet er noch Anpassungsschwierigkeiten. In den ersten drei Bundesligaspielen machte er nur jeweils vier bis acht Punkte und kam auf eine Feldwurfquote von maximal 33 Prozent. Beim Sieg gegen Schwelm spielte erstmals nicht er, sondern Mithat Demirel von Beginn an. Demirel führte Alba mit 20 Punkten zum 101:72. Der eingewechselte Brown traf 63 Prozent seiner Würfe aus dem Feld und machte 15 Punkte, davon neun im Schlussviertel und allein fünf in den letzten fünf Sekunden. „Ich war in diesem Spiel etwas entspannter“, erzählt er. Zuvor hatte er sich zu sehr unter Druck gesetzt, „in einem neuen Team möchte man jeden Wurf treffen und jeden Pass anbringen“.

Mit Demirel zusammenzuspielen, mache Spaß, „er ist Albas Motor, ich bin auch ein Motor, aber ich bin ruhiger“. Alba hat Brown auch verpflichtet, weil er die Mannschaft in den Vordergrund stellt und nicht sich selbst, so wie es einige Spieler in der vorigen Saison getan haben. Am Teamgeist arbeiten können Brown, Tanel Tein und Michael Wright auch in ihrer Freizeit. Die drei Neuen wohnen in einem Haus, gehen gemeinsam ins Kino oder amerikanisch essen.

Brown schätzt an seinem neuen Verein, mit dem er heute gegen Tübingen spielt (19.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle), vor allem, „dass er sehr professionell ist. Es ist einfach, sich ganz auf Basketball zu konzentrieren.“ Israel verließ er nach nur sieben Monaten, weil der Irak-Krieg kurz vor dem Ausbruch stand. In Serbien-Montenegro wurde er zwar zum besten Ausländer gewählt und spielte mit Partizan in der Europaliga (12,6 Punkte im Schnitt), doch es gab finanzielle Probleme. Berlin hingegen ist ein guter Ort, wenn auch nicht der beste auf dem Planeten.

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