Sport : Der Traum von der Tormaschine

Franca hat seine Krise bei Leverkusen hinter sich

Christoph Bertling[Leverkusen]

Krise? „Nein, die ist nun endgültig vorbei.“ Da ist sich Franca sicher. Es ist 23 Uhr 12. Die Fans von Bayer Leverkusen sind bereits nach Hause gezogen. Und auch die Teamkameraden Francas haben sich längst in ihre Luxusautos geschwungen, um nach diesem Abend, der ihnen die Teilnahme an der Champions League so gut wie gesichert hat, nach Hause zu fahren. 5:0 (1:0) gewann Leverkusen das Qualifikations-Hinspiel vor nahezu ausverkauftem Stadion am Mittwochabend gegen Banik Ostrau. Das Rückspiel dürfte keine Gefahr mehr bedeuten, zu eindeutig ist das Ergebnis. Und so beschlossen die Spieler, schnell zu verschwinden. Es war sowieso nicht mehr viel zu sagen.

Nur Franca zeigte nach dem Spiel keine Anzeichen von Hast. Munter sprach der Brasilianer darüber, dass die Krise nun vorbei sei. Er redete dabei nicht vom Verein, sondern über seine persönliche Leidenszeit. Aufmerksamkeit war ihm dabei gewiss. Immerhin hatte er ein „nahezu geniales Spiel“ bestritten, wie sein Kollege Juan betonte. Dreimal schlug Franca in der Bayarena zu. Sein wichtiges Tor zum 1:0 (10.) sowie das 2:0, mitten in die Drangphase der Tschechen hinein, machten Franca zum großen Gewinner des Abends.

„Franca ist halt ein Stürmer, der mit seiner individuellen Klasse ein Spiel entscheiden kann“, lobte Augenthaler, der nach weiteren Treffern von Juan (75.) und Dimitar Berbatow (82.) noch einen letzten Treffer von Franca (88.) bewundern durfte. Auch Baniks Trainer Frantisek Komnacky gestand: „Er hat unsere gesamte Abwehr zusammenbrechen lassen.“

Franca selbst fand: „Das war mein Spiel. Das war ein Traum.“ Sichtlich erleichtert präsentierte sich der 28-Jährige. Viel Frust hatte sich in der Vergangenheit bei dem Stürmer aufgeladen. „Jeder war ja von mir enttäuscht“, erinnert sich Franca. Noch letzte Saison buhten die Fans ihn aus, weil er nicht traf. Der Trainer ermahnte ihn, weil er zu kompliziert spielte. „Ich wurde angepflaumt wie ein Jugendspieler“, beschwerte sich Franca. Es waren schwere Zeiten für den Brasilianer. Dabei war er in der Heimat bereits ein Star. Mehr als 150 Tore hatte er für den FC Sao Paulo geschossen und war in die Elf des Jahrhunderts des Klubs gewählt worden. Acht Mal hatte er in der Nationalmannschaft Brasiliens gespielt und wäre wohl auch mit zur letzten WM gefahren – hätte er sich nicht verletzt. Doch in Leverkusen, galt der Stürmer, der immerhin 9,5 Millionen Euro Ablöse kostete, bereits als große Fehlinvestition.

Nun hat sich die Ablösesumme auf alle Fälle gelohnt. Immerhin bedeutet der Sieg wohl die Teilnahme am Millionengeschäft Champions League. „Das war ein Riesenschritt“, sagt Manager Wolfgang Holzhäuser.

Franca geht es dabei vielmehr um Anerkennung als um Geld. „Ich bin nach Europa gekommen, um in der Champions League zu spielen“, sagt er. Dass es mit dem Toreschießen nun klappt, dafür macht er den Trainer verantwortlich. „Er versteht meine Spielweise. Jetzt habe ich mein Selbstvertrauen zurück. Und ich gebe es nicht mehr her.“ Bis sie ihn in Leverkusen verehren – wie einst die Fans beim FC Sao Paulo. Dorthin will er nämlich irgendwann zurückkehren. Und zwar so, wie er damals weggegangen ist: „Als Tormaschine. Oder wie sagt man in Deutsch?“

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