Sport : Der überzählige Elber

Bayern München hat im Angriff ein Luxusproblem

Karsten Doneck

Von Karsten Doneck

Hamburg. Der Kameramann stürzte sich geradezu genüsslich auf die Szene. Die Bilder, die dem Fernsehzuschauer dann daheim ins Wohnzimmer flimmerten, besaßen ja auch tiefen Symbolcharakter. Erst wurde der Holländer Roy Makaay bei der Arbeit gezeigt, wie er da für Bayern München in der AOL-Arena gegen den Hamburger SV kurz nach der Pause das 2:0, die Vorentscheidung also, vergab. Dann wurde die Ersatzbank der Bayern eingeblendet, wie dort Giovane Elber die Arme über den Kopf hob und Beifall klatschte. Was wiederum Spekulationen nach sich zog: War Elbers Geste gegenüber dem Konkurrenten im Bayern-Sturm etwa hämisch gemeint? Oder war es tatsächlich Anerkennung für eine recht gelungene, in der Vollendung aber etwas unglückliche Aktion des mit 18,75 Millionen Euro teuersten Bundesliga-Einkaufs aller Zeiten?

Elber selbst hat später eher indirekt Antwort gegeben. „Ich hatte hier beim FC Bayern sechs super Jahre, da mache ich mir im siebenten doch nicht alles kaputt“, sagte der Brasilianer. Elber auf Schmusekurs, obwohl er, der Torschützenkönig der vorigen Saison, nach Makaays Verpflichtung nur noch die Ersatzbank drückt. Aber einer, auf den der FC Bayern wohl nicht leichten Herzens verzichten kann. Als sich Makaays Sturmpartner Claudio Pizarro müde gelaufen hatte, durfte Elber eine Viertelstunde vor Schluss doch noch aufs Feld. Keine 180 Sekunden später gelang ihm mit viel technischem Geschick das Tor zum 2:0-Endstand.

2:0 siegte der FC Bayern beim HSV, 1:0 endete das Duell Elber gegen Makaay. Dem Holländer, aus La Coruña geholt, fehlte auch bei seinem zweiten Bundesligaeinsatz noch die Bindung zu den Nebenleuten, wenngleich er in zwei Szenen einem Treffer sehr nahe war. Elber schöpft daraus Hoffnung für sich. Er steht bei den Bayern noch bis Juni 2004 unter Vertrag. „Ich will bleiben“, hat er nach dem Spiel in Hamburg mit treuherzigem Augenaufschlag gesagt. Trotzdem: Sein Berater Giovani Branchini sondiert den Markt.

Die Bayern stecken in einem Zwiespalt: Bei der zusätzlichen Belastung durch die Champions League kann es nicht schaden, einen starken Stürmer wie Elber in der Hinterhand zu haben, anderseits würde Elber jetzt bei einem Verkauf noch eine Ablösesumme bringen. „Wenn sich nichts tut, bleibt er bei uns“, sagt Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. So einfach ist das.

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